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Mittwoch, 6. März 2013

Ein Roman in einer Nacht

Ein Roman, der von Anfang bis Ende in einer einzigen Nacht hervorbricht ... kann es so etwas geben?
Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher. In groben Zügen vielleicht schon. Und manchmal reicht ein ganz grober Zug, um einen Krimi, einen Roman zu skizzieren. Letztlich geht es ja immer um einen Konflikt, der ein Buch lang trägt, bis er sich auf der letzten Seite auflöst. Einen solchen Konflikt kreieren Autoren v.a. durch das Hervorrufen von Widersprüchen, deren Auflösung eine gute Weile braucht, viele Opfer erfordert, die eine oder andere Katastrophe hervorruft, wodurch wiederum eine erkleckliche Anzahl Figuren beeinflusst werden. Wie das richtige Leben?
Möglich. Das richtige Leben kennt jedoch keine Auflösung, wie sie im literarischen Leben anklingt. Der dramatische Stoff sorgt dafür, dass sämtliche durch den Text ausgelöste Emotionen beim Leser am Schluss in eine große Erfüllung gebunden werden. Dadurch wird das Innenleben des Lesers gereinigt. Wir heulen oder fühlen uns rundum zufrieden. Oder beides. Läuterung durch einen Roman.
Um einen starken Konflikt zu erschaffen, der die Figuren (selbstverständlich solche, mit denen wir uns identifizieren) einen Roman lang auf Trab hält, braucht man manchmal nicht länger als ein paar Stunden. Mitunter reicht ein Geistesblitz. Aber das magere Gerüst des Widerspruchs zwischen dem einen, unbedingten Wunsch des Protagonisten und seiner zunächst nicht sehr kooperativen Wirklichkeit mit Material anzufüttern - das dauert.
Also entsteht allenfalls die Idee in einer Nacht. Die Vorstellung einer Figur, deren Schatten sich aus dem Dunkel schält. Die Konturen von Konflikten, die der eine zentrale Widerspruch hervorrufen wird. Aber dann wird es hart, denn die Auflösung, der Weg aus der Krise, muss schon angelegt sein, ohne dass der Leser ihn noch bemerkt. Verwicklungen sollten, bevor sie ausgelegt werden, auch schon entwirrt sein. Und da sind dann schließlich die vielen feinen Details, das Fleisch an den Knochen, das uns Autoren auch eine Menge Spaß macht. Der Roman in einer Nacht ist eine Skizze, eine Wegbeschreibung, ein erster Absatz, dessen Essenz ziemlich stark sein kann. Und auf alle Fälle der Anfang, dem der Zauber des Schreibens innewohnt.

Montag, 8. November 2010

Claude-Yves

Kennen Sie Claude-Yves?
Ich kannte ihn bis heute morgen nicht. Heute morgen tauchte er urplötzlich und unerwartet auf. Wieder eine von diesen Figuren, die aus den Kulissen treten und Einlass begehren. Hej, ich will mitmachen in deinem neuen Buch! Gib mir eine Rolle, na los!
Claude-Yves also ist der Restaurantchef des "La Méditerranée" - und wer denkt da nicht an den wundervollen Chanson von Georges Moustaki. Doch halt! Claude-Yves - mystisch genug - stamt aus Kanada, aus Québec, hat einen französischen Pass und ist Kunde bei Ghostwriterin Kea Laverde. Die ghostet seine Autobiografie, wobei jedes Kapitel abgerundet wird von einem Rezept, einer ganz speziellen Kreation von Claude-Yves persönlich.
Jetzt fragen Sie mich bitte nicht, woher ich die Idee zu Claude-Yves hatte! Ich kenne keinen Claude-Yves persönlich, ich wollte keinen Koch in dem Buch haben, schon gar keinen frankophonen, doch mit einem Mal ...
Das ist das Mysterium des Schreibens und Geschichtenerfindens. Dinge geschehen. Figuren schleichen sich ein. Drinks stehen auf dem Tisch, auf die man eigentlich momentan (bewusst) gar keinen Appetit hat. Da dampft ein Ratatouille, garantiert mit einem Beifußzweig garniert - aber warum?
Ich! Weiß! Es! Nicht!
Wirklich - das ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Warum quälen Sie sich auch so sehr mit den Warums und Wohers, liebe Leser? Ist das noch ein Reflex aus der Schulzeit, wenn die Deutschlehrer wissen wollten, was denn der Autor mit dieser Scherbe und diesem Glas und diesem Nebensatz gemeint habe.
Ich verspreche: Ich habe nichts gemeint. Claude-Yves stellte sich vor und ich fand ihn nett. Also macht er mit in Keas 6. Fall. Sie werden ihn kennenlernen. Auch wenn bis dahin noch ein wenig Zeit ist ...

Dienstag, 22. Juni 2010

Darf ich vorstellen ...

... das ist Maj. Sie ist 16 und von ihrer Mutter genervt. Sie liebt finnischen Metal. Sie ist chronisch pleite, jobbt deshalb in Eratos Imbiss. Außerdem hat sie Stress mit ihrer Freundin Gila, weil die nur noch mit Lars abhängt, in den sie fürchterlich verknallt ist, und Maj findet Lars zum ... Wenn sie sich nur nicht auf die Sache mit dem Supermarkt eingelassen hätte, dann wäre sie nicht über den blutenden Typen gestürzt und dann ...
Viel Spaß mit Maj in "Versteckspiel", erscheint im Herbst 2010 im Verlag an der Ruhr.

Dienstag, 23. März 2010

Action

Action ist öde. In diversen Vorabendserien fliegen Autowracks, explodieren Paläste, es kracht und scheppert, die Regisseure tun was fürs Visuelle und Akustische . In Büchern kommt das nicht so gut. Wozu seitenweise lesen, dass eine Menge Schrott produziert wird? Interessant ist dagegen, wie die Figuren auf Action, Katastrophen, Desaster reagieren. Erschüttere das Lebensfundament einer Figur, und sieh, was sie tut: mit sich selbst, mit den anderen. Am spannendsten sind natürlich Charaktere, die handeln, anstatt sich zurückzuziehen und auf bessere Zeiten zu warten.

Freitag, 19. März 2010

Nah dran sein

Habe das Gefühl, noch nie so nah an einer Story drangewesen zu sein wie in "Bisduvergisst". Womöglich, weil es eine beinah wahre Geschichte ist? Weil ich mit Zeitzeugen zu tun hatte? Ist die Wirklichkeit also doch die stärkere Geschichtenerzählerin? Oder gelingen manche Bücher einfach besonders gut? Schleicht sich von selbst etwas ein in die Arbeit? Nicht alles am kreativen Prozess ist erklärbar. Ich empfinde es auch nicht als wünschenswert, alles zu verstehen. Manches will ich lieber nicht wissen. Will nur die Kraft spüren, die zu fließen beginnt, wenn das Schreiben so richtig von selbst läuft.

Donnerstag, 11. März 2010

Lieblingsbücher

Auch Autoren haben Lieblingsbücher. Meine sind in der Katinka-Reihe "Kirchweihmord" und in der Kea-Reihe "Bisduvergisst". Manche Bücher nehmen einen beim Schreiben auch mehr mit als andere. In Bisduvergisst hat mich v.a. die Schuld gefesselt, die Irma auf ihren Schultern fühlte, die aber ganz unnötig war. Zu glauben, man habe Schuld auf sich geladen, man sei schuld an etwas, obwohl es gar nicht so war ... genauso teuflisch wie die Schuld eines Menschen, einen anderen ein Leben lang glauben zu lassen, er sei schuld an einer Sache, obwohl der erste die Tat begangen hat.
Kraus formuliert? Ich muss ja Rücksicht nehmen auf jene, die das Buch noch nicht gelesen haben ...

Sonntag, 7. März 2010

Schnäbel und Mäuler

Dem Volk aufs Maul schauen - ein Bonmot aus der Lutherkiste. Aber es macht auch Spaß! Allein im Café sitzen und zuhören, lauschen, beobachten. Für Krimiautoren ist es unerlässlich! Hören, was gesagt wird, aber auch wie es gesagt wird. Wie erzählen Menschen? Elliptisch. Ganz bestimmt formen sie keine Exposition, wie wir sie aus manchen Büchern kennen. Sie verquirlen auch nicht alle Hintergründe. Ab und zu lese ich ein Buch und mag die Dialoge nicht. Dann lege ich das Buch weg. Über zu lange Beschreibungen kann ich drüberblättern. Aber nicht über künstliche Dialoge. Durch sie werden Figuren zu Pappkameraden, denen man anmerkt, dass sie nicht "echt" sind, sondern erfunden wurden. Klar, alle literarischen Figuren wurden erfunden, aber geben wir es doch zu: Wir wollen glauben, dass sie echt sind. Darum braucht man gute Ohren. Um mitzukriegen, wie den Leuten in der wirklichen Welt der Schnabel gewachsen ist. Und um den eigenen Figuren genau solche Schnäbel zu verpassen!

Sonntag, 31. Januar 2010

Tu was, Held!

Schlimme Bücher sind Bücher mit passiven Helden (und wir sind hier nicht in einem literaturwissenschaftlichen Seminar)! Ich meine Helden, die rumstehen und gucken, während irgendwelche Ereignisse um sie herumwirbeln. Helden, von denen wir gerne lesen, greifen ein. Sie ermittlen nicht nur, was los ist, sondern sie treten mit Handlung in Vorleistung.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Zeitzeugen

Für "Bisduvergisst" habe ich zum ersten Mal in meiner Krimiautorenkarriere Zeitzeugen gesucht. Also Leute, die eine Zeit miterlebt, durchgehalten haben, die vergangen ist - wenn man "Zeitzeuge" mal so definieren möchte. Zum ersten Mal war ich ein klein wenig Kea Laverde, saß in Wohnzimmern vor Kaffee und Keksen, das dicke DIN A 4-Notizbuch auf dem Schoß, und arbeitete mich in fremde, aber wirkliche Leben vor. (Nicht, dass ich mit meinen Romanfiguren keine Interviews führen würde, doch dabei bin ich mit meiner Fantasie allein und ungestört.)
Nein, meine Zeitzeugen wollen nicht genannt werden. Sie haben ihre Pflicht und Schuldigkeit getan, indem sie mich in eine mir fremde Epoche einführten. Genauer gesagt in den Frühling des Jahres 1945. Das Kriegsende stand kurz bevor. Man hatte die unterschiedlichsten Hoffnungen. Bücher sind darüber genug erschienen, Fernsehsendungen wurden ausgestrahlt. Aber lebendige Menschen erzählen eben anders. Ihre Geschichten sind nicht aufbereitet, nicht didaktisiert, nicht durch viele Filter gegangen. Sie stecken voller Wiederholungen, schwarzer Löcher, Ungereimtheiten. Erinnerungen fluten plötzlich herbei, ungefragt, ungewollt. Da kommen keine Informationen, wie wir sie im Internet abrufen können. Da kommt vor allem eins: ein ICH. Individuelle Gefühle und Erlebnisse, Hoffnungen und Ängste.
So basiert Keas vierter Fall "Bisduvergisst" zu Teilen auf einer wahren Begebenheit. Ghost Kea schreibt die Autobiografie einer Frau, die an Demenz erkrankt ist und ihre Lebensgeschichte für ihre Enkelin retten will. Und bald entdeckt Kea, wieviel Verdrängung, Verzweiflung, welche Schuldgefühle sich in einem Menschen stauen können.
Der Roman ist ein Produkt der Fantasie. Aber die Lebensgeschichte, die Kea verfasst, hätte so passieren können. Und Sie hätte jedem von uns zustoßen können, wenn wir damals gelebt hätten ...

Montag, 30. November 2009

Über Charakterköpfe

Inspiriert von der Leserunde im Büchertreff habe ich über literarische Figuren nachgedacht. Darüber, was Leser an den Buchpersonen fesselt. Ich vermute, alle Autoren arbeiten zeitlebens daran, ihre Figuren stärker und glaubwürdiger zu machen. Das Sonderbare ist nur: Wenn eine Figur ein Charakterkopf ist, spüren wir das - aber sagen, welche Eigenschaften sie haben sollte, das ist nicht so einfach. Klar, sie braucht Ecken und Kanten, vielleicht eine dramatische oder traumatische Vergangenheit und so weiter. Keinen Pappkameraden, der nur dazu da ist, die Handlung aufrechtzuerhalten. Viele Leser genießen es, so nah wie möglich bei der Figur zu sein - in ihrem Kopf. Sie überall hin zu begleiten. Von anderen Lesern habe ich gehört, dass sie Figuren mögen, die auf Distanz bleiben. Oder ist es einfach Geschmacksache? Aber was ist dann "Geschmack"? Wird uns eine Figur durch die Art nähergebracht, wie sie spricht?
Kea Laverde ist nicht nett. Mit ihr ist nicht so leicht Kirschen essen. Trifft man sich mit ihr zu einem Cappuccino, könnte es sein, dass man genervt weggeht.
Ist Kea eine Antiheldin? Muss man den Helden lieben? Ich komme ins Grübeln ...

Sonntag, 29. November 2009

Über Kleinigkeiten

Ich habe ja schon als Schülerin meinen Deutschlehrern nicht geglaubt, dass Autoren sich über jede Kleinigkeit Gedanken machen ... Tatsächlich passieren eine Menge Dinge beim Schreiben. Vielleicht nennt man solche plötzlichen Kehrtwenden im Plot "Geistesblitze", keine Ahnung. Oft treten auch Figuren aus den Kulissen, die man gar nicht geplant hatte, die sich aber vehement aufdrängen. (Ist mir so gegangen mit Juliane Lompart, Kea Laverdes Freundin in der Ghostwriter-Serie.) Bei der Planung eines Krimis gehe ich durchaus akribisch vor, suche mir meine richtigen und falschen Spuren zusammen, lege sie aus, denke nach, wie ich den Leser (ja, Sie!) in die Irre führen könnte. Auch meine Figuren haben ein Vorleben. Aber in ihrer Vergangenheit lasse ich doch immer ein paar Lücken - weiße Flecken, die sich nachher beim Schreiben von selbst füllen, aus dem Augenblick, aus der Szene heraus, in der etwas Ungeplantes geschieht. Mit einem Mal darf eine Figur ein seltsames Hobby haben, ohne dass ich das vorher festgelegt hatte, oder eine andere schiebt unbewältigten Ärger mit der Schwiegermutter vor sich her, was mir bisher nicht aufgefallen ist. Auch die Autorin lernt ihre Charaktere im Laufe des gemeinsamen Lebens immer besser kennen - wie in der Wirklichkeit. Du bist Jahre mit jemandem befreundet, bevor du über die Abgründe in seinem Leben informiert wirst. Und dann outen sich die Leute ebenso ungeplant. Weil es sich eben gerade richtig anfühlt ...

Montag, 23. November 2009

Namensfragen

Tatsächlich wundern sich Leser über die Namen in meinen Büchern. Sind sie vielleicht zu ungewöhnlich, zu seltsam, zu zungenbrecherisch?
Ich habe Spaß an Ungewöhnlichem. Wenn eine Figur nicht so konventionell ist, braucht sie auch einen besonderen Namen. Kea Laverde zum Beispiel. Kea ist eine Kurzform zu "Alkea", dieses die friesische Version zu "Adelheid". Ich suchte einen kurzen, prägnanten Vornamen. Laverde mochte ich wegen seiner Klangfülle. So kam es zu Kea Laverde. Bei Katinka Palfy hat ihre Wienerische Herkunft eine Rolle gespielt. Palfy ist ungarisch, es gibt verschiedene orthografische Varianten, und Palfy erinnert mich immer wieder an das Café Palffy im Wien (und natürlich das Palais Palffy).
Namen sind Risikofaktoren, vor allem in Krimis. Eine Kollegin von mir bekam Post von einem Anwalt. Sie hat einen Helden erfunden, der Y heißt und in X lebt, und Z als Beruf gewählt hat. Blöderweise gab es in X einen echten Y (!), der auch als Z arbeitete. Dumm gelaufen, das Buch musste eingestampft und neu gedruckt werden. Mit einem anderen Namen für Herrn X.
Ich nehme mal an, das kann mir mit Kea Laverde nicht passieren ...

Dienstag, 3. November 2009

Hardo gesichtet!

Bekam folgende E-Mail:

Zu KHK Uttenreuther kann ich eine Sichtung vermelden - sah ihn neulich mal allein im "Luitpold", wo er einen "Hubersepp" verputzte & in Caesars "Commentarii De Bello Civili" schmökerte; dann bekam er eine SMS & grinste vielsagend, grummelte etwas von "Sch...-roaming-Gebühren" & trollte sich.

Also doch, es tut sich was an der Palfy-Front ...

Montag, 2. November 2009

Wo ist Katinka?

Ehrlich, ich weiß nicht, wo sie steckt. Ich würde Ihnen ja gern eine üppigere Auskunft geben, aber ich weiß es wirklich nicht. Mein letzter Stand ist Ihrer! Sie hatte vor, an einer Ausgrabung in Nordafrika teilzunehmen, allerdings kam ihr dann ein höchst erfreuliches Ereignis dazwischen. Sie und Hardo haben es endlich geschafft, Klartext zu reden. Was allerdings aus den beiden geworden ist ... In Sachen Liebe und Emotion waren sie ja alle beide eher sperrig veranlagt. Von daher wäre es auch wieder nicht ganz unwahrscheinlich, dass Katinka ins Flugzeug gestiegen ist, um in Leptis Magna Archäologin zu spielen.
Manchmal habe ich den Eindruck, so eine literarische Figur möchte auch mal in Ruhe gelassen werden. Man stelle sich vor, Katinka und Hardo ein Paar! Das gibt auch professionelle Verwicklungen. Katinka als unorthodoxe und unerschrockene Ermittlerin, Hardo mit seinen disziplinierten Ansichten. Dennoch bin ich sicher, dass beide wiederkommen. Ich habe auch schon eine Idee, um was für einen Fall es sich drehen könnte. Aber noch nicht jetzt. Geben wir den beiden noch eine Runde Privatsphäre. Und wer sich nicht mehr richtig erinnert an Katinkas und Hardos letzte gemeinsame Ermittlung lese nach in: Spinnefeind. Katinka Palfys achter Fall. Meßkirch, Gmeiner 2008.