Montag, 10. Juli 2017

Kea Laverde in ihrem neuen Fall

Ist Menschenfreundlichkeit immer genau das - menschenfreundlich? Oder ist sie womöglich einfach eine clevere Geschäftsidee? Letzteres vermutet Kea Laverde in ihrem neuesten Fall. Als in einem Flüchtlingsheim im oberbayerischen Ohlkirchen ein Kleinkind spurlos verschwindet und eine Syrerin ermordet wird, ist Ghostwriterin Kea Laverde – wie alle Einwohner der kleinen Ortschaft im Fünfseenland – fassungslos. Doch es scheint Zeitgenossen zu geben, die in einem Kind eine gewinnbringende Ware sehen. Und kommt da gerade nicht eine Menge "frische Ware" ins Land? Laut Europol sind im Jahr 2015 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge schlicht "verschwunden". Kea Laverde macht sich mit Patty O'Brien, der Vorsitzenden einer Kinderschutzorganisation, auf die Suche nach den Hintergründen.

Falsche Versprechen. Ein neuer Fall für Kea Laverde.
Meßkirch: Gmeiner-Verlag Juli 2017
275 Seiten, 12x20 cm, Klappenbroschur
ISBN 978-3-8392-2154-9

Freitag, 7. Juli 2017

Falsche Versprechen

Die Leseprobe für alle: S. 99 aus dem neuen Kea-Laverde-Roman

»Man könnte umgekehrt argumentieren. In dem Dorf
ist die Luft besser als in … sagen wir … Chicago.«
Patty nickte. Sie spachtelte ihre Scholle. Die Frau sah
mir aus wie eine potenzielle Kandidatin für Claude-Yves’
Genusstherapie.
»Nur, dass Rumänien in Europa liegt«, fuhr ich fort.
»Sie werden lachen!« Patty stieß mit der Gabel in
meine Richtung. »In den 90ern exportierte Rumänien
so viele Waisenkinder in die USA und nach Westeuropa,
dass das halbe Land von einem Krieg hätte vernichtet
worden sein können. Zehntausende von Waisen! Das
wäre logisch nach einem Monster-Tsunami oder einem
Atomangriff. Nichts dergleichen hat Rumänien heimgesucht.
Stattdessen rollten Herrschaften in edlem Zwirn,
die das große Geschäft witterten, über das Land hinweg.
«
Ich schob meinen Teller beiseite. Scholle, Panade und
Remoulade lagen wie Basalt in meinem Magen.
»Die Kinder waren der Exportschlager Rumäniens!
Möchtegern-Eltern aus reichen Ländern deckten sich
mit Nachwuchs ein. Sie nannten es ›nach Hause bringen‹,
wenn sie ein Kind kauften, und verbreiteten in ihren
Foren die Meinung, es sei ihr Recht, fremde Kinder als
die eigenen auszugeben, indem sie die Papiere gleich
dazuerwarben. Geburtsurkunden und so weiter. Und
die Agenturen verdienten und verdienten.«
Mittlerweile hatte ich verstanden, dass Patty große
Worte liebte. Sie steigerte sich in das Thema hinein und
machte aus einem sachlichen Papier einen Sensationsbericht
für die Boulevardpresse. Ich begriff, was sie umtrieb.

Falsche Versprechen. Ein neuer Fall für Kea Laverde.
Meßkirch: Gmeiner-Verlag Juli 2017
275 Seiten, 12x20 cm, Klappenbroschur
ISBN 978-3-8392-2154-9