Sonntag, 13. März 2016

Aufgeschlagen - Die Bernsteinburg auf S. 99

Man kennt das. S. 99 rennt Türen ein.

Hier ist sie: Die Bernsteinburg. Meßkirch, Gmeiner 2016. E-Book Only. ISBN 978-3-7349-9404-3. € 6,99.



...


»Worüber sprechen die Krieger? Pino? Die Küchenjungen?
Die Leute, die auf den Feldern arbeiten? Herrscht
Ungeduld? Eile? Zuversicht?«
Noemi dachte hastig nach. Die Wahrheit war: Sie wusste
es nicht. Sie hatte keinen Draht zu den Leuten auf der Burg.
Sie arbeitete hart, um alles unter Kontrolle zu halten und
ihre Position in Höllenstein zu festigen. Wer konnte wissen,
wie es auf der Bernsteinburg stand und was sie erwarten
würde, wenn sie zurückkehrten? Wie die Loyalitäten
verteilt wären? Man war nervös. Die Nachricht von Floras
Ankunft hatte sich wie ein Lauffeuer auf der Burg verbreitet
und unzählige Gerüchte angefacht. Noemi verstand es,
die Angst vor Yva unter den Burgleuten anzufachen, und
Yva schätzte das, aber was die Höllensteiner dachten, das
war Noemi vollkommen fremd. »Ich weiß es nicht«, sagte
sie. Das Gefühl der Überlegenheit wich.
Yva drehte sich um und musterte sie.
»So.« Sie setzte sich wieder. »Mein Sohn verträumt seine
Zeit mit seiner Musik, der Harfe, dem ganzen Theater.
Mit ihm kann ich nicht rechnen. Yuma ist mit den Kriegern
unterwegs, und Armine ist zu jung.« Nachdenklich
rieb sich Yva die Stirn. Sie fragte sich gerade, ob Armine
wirklich zu jung war, um die Burgleute auszuspionieren.
»Ich werde mich umhören«, versprach Noemi.
»Zweifellos«, entgegnete Yva, aber sie war sich sicher,
dass Noemi nicht die Richtige dafür war. Sie war zu spröde
und kalt. Wie ich selbst, dachte Yva. Sie wird nie das Vertrauen
der Leute erringen. Nie. Sie ist keine, der man von
den kleinen Sorgen und Freuden erzählt. Ich brauche
jemand anderen für diese Aufgabe. Da gab es nur das Problem,
dass sie niemanden hatte, den sie ansetzen konnte.
...

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