Sonntag, 1. Februar 2015

Hartkäse

Blockiertsein - gibt es das? Oder ist es nicht vielmehr nur ein Gefühl? Dieses: "Ich kann nicht mehr." "Mir fällt nichts mehr ein." Vielleicht einfach ein Anflug von Frust?
Echte Schreibblockaden sind selten. Ein echt Schreibblockierter sitzt trotz Misserfolg seine acht bis zehn Stunden vor dem alles beobachtenden Auge des PCs und versucht es. Schreibt einen Satz. Noch einen. Löscht. Schreibt wieder. Sitzt am Abend mit rotgeränderten Augen an derselben Stelle. Immer noch mit nur einem Satz auf dem Bildschirm. Oder keinem.
Meiner Erfahrung nach ist die sogenannte Schreibblockade  eher eine Art Verschiebebahnhof. Man kann sich nicht recht aufraffen und findet daher immer etwas anderes, vermeintlich Besseres zu tun. Putzen, Backen, Internet.
Doch woher kommt diese Schlaffheit? Sich nicht aufraffen können - ist das Schwäche?
Im Gegenteil. Frust und Unlust kommen zumeist von einem übersteigerten Ehrgeiz. Riskant ist nicht, einen Roman schreiben zu wollen, sondern DEN Jahrhundertroman SPÄTESTENS im nächsten Jahr auf den Markt zu bringen. Unrealistische, übersteigerte, perfektionistische Anforderungen an sich selbst töten die Kreativität. Nicht sofort. In kleinen Schritten. Sie steigern vielleicht unsere Disziplin - und Disziplin ist lebensnotwendig für Autoren -, aber sie sorgen auch dafür, dass wir unsere kreative Arbeit nur noch über Selbstkontrolle und Leistung definieren.
Wenn das passiert, stellt sich bald Unlust ein. Unlust führt zu weniger Leistung, ein Minuszustand, der Zwanghaftigkeit ("Ich muss noch zehn Seiten schreiben") und Schuldgefühle hervorruft. Man entwickelt Glaubenssätze: "Ich bin eine gute Autorin, wenn ich ...". Das Schreiben verkommt zur To-do-Liste. Stück für Stück dehnt sich die innere Dürre aus, und dann kommt tatsächlich irgendwann der Tag, an dem es zutrifft: Mir fällt nichts mehr ein.
Hemingway hatte einen guten Tipp für diejenigen unter uns, die diese Unlust, diese Übersättigung bei gleichzeitiger Dürre empfinden: Leere niemals deine inneren Quellen in einer Schreibsitzung komplett aus. Es ist gut, es ist wichtig aufzuhören, solange du noch weißt, was als nächstes passiert. (In deinem Text!)
Der Rat braucht keinen weiteren Kommentar. Statt Härte gegen sich selbst lieber ein wenig Muße und Ruhe. Affirmatives Denken statt Druck. Und denke niemals über deine Story nach, wenn du nicht arbeitest! Denn dadurch wird das Gehirn des Themas überdrüssig. (Auch das von E.H.)
In diesem Sinne:
Frohes (genau: frohes) Schaffen!

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