Sonntag, 21. Dezember 2014

Schreibreize

Es waren die Reizwortgeschichten, die in der Schule im Deutschunterricht unter dem Motto "Aufsatz" für Spaß sorgen sollten. Zumindest unterstelle ich diese Absicht. Es wurden drei Wörter vorgegeben:

Mitternacht - Rascheln - Maus 

Drollig? Womöglich. Allerdings auch ziemlich durchsichtig. Als einigermaßen aufgeweckter Schüler konnte man förmlich riechen, was gefordert war. Es ist Mitternacht, du hörst ein Rascheln, machst dir fast in die Hose, weil es ein Einbrecher sein könnte, doch es ist nur - eine Maus.

Ich arbeite in meinen Schreibworkshops lieber mit Schreibreizen. Gebe einfach ein Stichwort, und die Teilnehmer haben die Aufgabe, 15 Minuten dazu zu schreiben. Wohin das führt, sei dahingestellt. Es ist nämlich nur eine Übung, das Schreiben nach Reizen. Ausprobieren, was geht und was nicht. Einen fetzigen Anfang kreieren, der sofort für sich einnimmt. In kurzer Zeit Spannung aufbauen. Sich nicht schockieren lassen von einem Thema, das einem vor den Latz geknallt wird. Herausfinden: Man kann aus (fast) allem was machen. Sogar einen richtig schönen Text.

Hier sind die zehn beliebtesten Schreibreize; die Aufgabe lautet:

Schreibe 15 Minuten über eines der folgenden Themen.
  1. Schlaflos
  2. Dein Körper
  3. Eines stürmischen Morgens
  4. Im Drogeriemarkt
  5. Unterwegs
  6. Die Scheune da hinten
  7. Nebenan
  8. Die letzte Konservenbüchse, die ich zu öffnen versuchte
  9. Fehl am Platz
  10. Nachts
Die Kunst ist es, Schreibreize anzubieten, die allgemein genug sind, damit jeder etwas zu ihnen zu sagen hat, die aber zugleich einen gewissen Grad an Spezifiziertheit haben, damit sie anregen. Zum Thema "spezifisch schreiben" demnächst mehr.

Keine Kommentare: