Samstag, 19. Januar 2013

Wörter, die verschwinden

Heute: Die Badeanstalt.
Ja, hier spricht Kea Laverde von ihrer Philosophentheke im Shamrock. 
Kennen Sie es noch, das Wort? Ich gebe zu, meinem aktuellen Wortschatz gehört es nicht an. Ich sage "Schwimmbad" für etwas, das meine Großmutter noch als "Badeanstalt" bezeichnet. Mal ehrlich: Wollen Sie in einer Anstalt baden?
Badeanstalt hat jedoch was. Als Wort, meine ich. Ist ziemlich sinnlich. Ich rieche das Chlor und fühle den leichten Ekel, der mich überkommt, wenn ich barfuß über schlickerige Fliesen eile. Aus den Duschen tönt der Sound etlicher Brausen, ich höre Kinder quietschen und kreischen, es riecht nach Duschdas, so ein frischer und gleichzeitig aggressiver Geruch. Durch den Dunst im Duschraum kann ich kaum was sehen. Erhitzt öffne ich die Tür zur Schwimmhalle. Hier ist es kühl. Neon beleuchtet eine 25-Meter-Bahn. Am Boden des Beckens befinden sich schwarz gekachelte Markierungen. An einer der Schmalseiten sehe ich die klassischen zehn Startblöcke. Das ist alles.
Kinderbecken? Naja, für die Allerkleinsten.
Riesenrutsche? Nicht in der Anstalt.
Ein Bademeister in weißen Klamotten mit Gummischuhen patrouilliert strengen Blicks und zieht die drei Jungs raus, die so sehr toben, dass die Damen auf den Liegestühlen nass werden. Wobei Liegestühle ... bequem sehen die nicht aus.
Ein Erlebnisbad ist sie eben nicht, die Badeanstalt. Hier haben die Leute ihre Bahnen zu ziehen. Reinspringen vom Seitenrand? Verboten! Ein Mars oder ein Snickers? Da muss man sich erst wieder duschen und anziehen, meine Lieben, Haare föhnen und dann im Café in der Vorhalle gleich bei der Kasse bekommt man einen Kaffee und Süßigkeiten.
Und jetzt komme ich richtig raus. Weil ... irgendwie scheint es, als wäre die Badeanstalt nichts anderes als ein Erlebnisbad. Ein abgespecktes eventuell. Nur das Wort ist weg. Untergegangen im 25-m-Becken. Oder vom Fußpilz aufgefressen.
In diesem Sinne.
Ihre Kea Laverde

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