Donnerstag, 28. Juli 2011

Verboten gut!

Krimiautoren lieben Verbote. Illegales und Abgründiges. Sie umschiffen Gesetze und loten unklare Regeln aus. Natürlich nur und ausschließlich auf dem Papier.
In einem meiner Bücher (wenn ich mich richtig entsinne, war es "Pfeilgift") etwa rückt ein Apotheker ein Medikament raus. Ohne Rezept, dabei war es verschreibungspflichtig!
So was!
Diese perfide ungesetzliche Handlung wurde auch im ganzen Buch nicht geahndet. Niemand bemerkte was!
Allerdings ein Leser. Er rief mich an und klärte mich darüber auf, dass es absolut verboten ist, als Apotheker diese und jene Substanz ohne ärztliches Rezept an einen Kunden zu verkaufen (von umsonst abgeben war nicht die Rede). Es hätte übelste Konsequenzen für den Apotheker zur Folge.
Wie gut, Deutschland, dass deine Bürger so gesetzestreu sind. Nein, wirklich, das ist genau meine Meinung.
In Büchern, Krimis zumal, liegt die Sache aber ein wenig anders. Die Leser würden vor Langeweile gähnen, hätten wir einen Krimi vor uns, in dem eine jede Figur nur erlaubte Dinge täte. Im Prinzip wäre das kein Krimi, und wenn wir es ernst meinen, nicht einmal ein vernünftiger Roman. Nein, auch keine Kurzgeschichte. Denn Leute, die immer alles korrekt machen, sind Langeweiler. Keiner will was von ihnen wissen. Auch wenn unser gesellschaftliches Leben darauf basiert, dass diese Leute achtsam ihrer Arbeit nachgehen - in Krimis sollten sie keinesfalls überhand nehmen. Muss man sich als Autorin ab und zu wieder vor Augen führen. Heutzutage wird soviel zensiert, abgekanzelt, überbewertet und weggebissen, dass sogar Autoren sich nicht mehr trauen, zuviel jammervolle Schlechtigkeit in ein Buch zu packen. Selbst mit Zigaretten und Whiskeys gehen wir sparsamer um als früher. Misère!
Bei Columbo wurde wenigstens noch genüsslich geschmökt ... inzwischen kommen manche Buchpersonen so trocken daher wie die Seiten, auf denen sie gedruckt sind. Also, wenigstens rauchen sollten sie doch dürfen.
Fände der Herr am Telefon vermutlich nicht. Dabei freue ich mich immer, wenn Leser sich melden. Nein, wirklich! Die Gespräche sind einfach toll. Ich versuche auch nie, jemanden von meiner Meinung zu überzeugen. Ich denke eher über neue Charaktere nach.

1 Kommentar:

Petra hat gesagt…

Ich kann dich trösten, Friederike, auch deutsche Apotheker im echten Leben geben immer wieder Verschreibungspflichtiges ohne Rezept heraus - das war auch schon öfter Gegenstand von Fernsehberichten. Methodisch reicht das vom vergessenen eiligen Rezept, das man nachreichen wird, über persönliche Bekanntschaft bis hin zu wunderbaren Ausreden. Konsequenzen hat der Apotheker ja nur zu tragen, falls er erwischt würde oder es zur Anzeige käme. Aber wer soll es denn bemerken, wenn am Ende nicht eine Leiche in der Gegend herum liegt? ;-)