Donnerstag, 21. Juli 2011

Ödnis im Wasserglas

Da haben wir's - nun wird den Autoren auch nur ihr genuin typisches Buchvorstellungswerkzeug weggenommen. Pardon, Sie wissen nicht, wovon die Rede ist? Ach ja, und hier spricht Kea Laverde, aus meinem Lieblingspub, soviel dazu.
Neulich diskutierten ein paar Kulturleute über Autorenlesungen. Schriftsteller schlappt in Buchhandlung, drei tote Fliegen im Schaufenster, drei übermüdete Zuhörer, davon drei Buchhändlerinnen. Ödnis pur - und dann noch das verteufelte, altmodische Wasserglas neben dem Autor auf dem Tischchen! Wenn das kein Garant für Langeweile und seliges Schlummern ist!
Wissen Sie was? Mir geht das wirklich auf den Senkel.
Denn heute muss ja alles zum Event werden. Möglichst poppig und aufgebrezelt. Experten urteilen dann über die Showqualität, kanzeln ab oder lobpreisen. Bewahre uns, Herr, vor den Experten der Kultur! Redakteuren, die so tun als wären sie anwesend gewesen. Typen, die aus kommunalen Geldern bezahlt werden, damit sie gemütlich mal was für die Region machen. Und so weiter und so weiter ...
Also, wissen 'Se, nee, wie meine liebe Freundin Juliane sagen würde, allmählich reichts.
Warum, zum Henker, darf ein Autor nicht einfach auf seinem Hintern sitzen und aus seinem Buch vorlesen? Will ich nicht genau das hören - seinen Text? Gelesen mit seiner Stimme? Und dabei den Menschen betrachten, der sich die Geschichte ausgedacht hat? Der Stunde um Stunde mit den Protagonisten unterwegs war, sie kennt wie kein zweiter, sie beobachtete, aushorchte, bemitleidete und sie manchmal auch hätte zum Mond schießen können?
Denn genau das ist eine Autorenlesung. Eine Begegnung mit dem Autor (oder natürlich der Autorin; behalten wir die Gattung im Auge). Eine Begegnung mit dem Menschen hinter dem Buch, den wir sonst nicht wahrnehmen als Leser, weil wir ja mit dem Krimi befasst sind, und weil wir ja wissen wollen, wer der Täter ist. Und warum er das getan hat. Wenn wir Glück haben, gibt der Autor auch mal Auskunft darüber, warum er getan hat, was getan werden musste, und wie er drauf kam. Der Autor, der eigentlich ein neues Buch schreibt, schon längst über den Vertrag für ein anderes neues diskutiert, spendet den Lesern seine Zeit. Man sollte diese gute Stunde nutzen, um tiefer ins Geschehen einzudringen: in die fantastischen Nischen der menschlichen Vorstellungskraft. Da will ich nicht mit dusseligen Tricks bei Laune gehalten oder von billigen Showeffekten abgelenkt werden. Ich will den Text hören, verdammt noch mal!
Klar, ein Glas Wein dazu, das verspricht natürlich extra Entspannung. Dann hocke ich gern zwischen Bücherregalen, denn ich bin ja in einer Buchhandlung, wo ich mich (déformation professionelle) ohnehin gerne verliere. Mich stört übrigens das Wasserglas neben dem Autor keinesfalls. Kann verstehen, dass er bis zum Ende der Lesung alkoholfrei bleiben will. Vielleicht genießt er/ sie ja auch eine Tasse Kaffee?
Come on, Kulturfuzzis, beruhigt euch wieder. Dies ist mein Plädoyer für das gute, alte Vorlesen. Ich kann ja schlecht den Autor für eine Nacht an mein Bett buchen ...
Bei allem Respekt.
Ihre
Kea Laverde

Kommentare:

AnnetteWeber hat gesagt…

Haha, Friederike, du sprichst mir aus der Seele!
Annette

Friederike Schmöe hat gesagt…

:)
Hallo Annette!
Ja, manche Dinge wollen gesagt werden. Freue mich über Deinen Kommentar!
Friederike

Friederike Schmöe hat gesagt…

:)
Hallo Annette!
Ja, manche Dinge wollen gesagt werden. Freue mich über Deinen Kommentar!
Friederike