Samstag, 26. Februar 2011

Schreiben ist Spielen

Schreiben ist Spielen
Sagt sie
Sage ich
Sagen alle
Ich spiele (nicht)!

Das Schreiben (gelegentlich) vor allem als Spiel zu begreifen, setzt kreative Kräfte frei. Ich stelle das in Schreibworkshops fest. Die harte Arbeit ist, die Teilnehmer erst mal davon zu überzeugen, dass es bei den spielerischen Übungen auf gar nichts ankommt. Nur darauf, loszulassen, abzuschalten, zu experimentieren, Schnipsel und Fetzen heraufzubeschwören, zusammenzutragen, was eben kommt, und dann auszuwählen, was man davon behalten möchte. Das Behalten kann in unterschiedlicher Form geschehen. Doch auch die Wahl der Form darf spielerisch sein: Eine Collage aus Versen? Mit Bildern? Mit Fotos? Zerschnipselt?

Wenn Kreative sich gerade damit schwertun, einfach auf eine Form zu warten, dann probiere ich gerne japanische Gedichttypen aus. Dabei ist mir wichtig, nicht puristisch zu sein. Diese Lyrikform ist ohnehin sehr an der japanischen Sprache (und einsilbigen Strukturen) orientiert. Man kann sie auch mit anderen Sprachen ausprobieren - das Dichterlabor ist 24 Stunden am Tag geöffnet! Vorgegeben werden die groben Strukturen. Aufgefüllt werden sie beliebig.

Ein Gogyohka zum Beispiel ist eine Gedichtform, die schlicht aus 5 Zeilen besteht (s.o.). Mitunter wird verlangt, dass jede Zeile idealerweise aus einem Satz bestehen sollte. Geht es darum, mit Hilfe dieser Gedichtform einfach nur zu spielen, bleibt allein die Vorgabe der 5 Zeilen.

Ein Haiku besteht aus 3 Zeilen, von denen die erste Silbe 5, die zweite 7 und die dritte wieder 5 enthält. Meine Lieblingsübung mit blockierten Kreativen: Aus Klatschzeitungen passende Schlagzeilen ausschneiden und als Haiku zusammensetzen. Macht sogar den Verkopftesten Spaß!

Haiku schreiben ist
Wie Verse mit Lineal
Zu vermessen. Leicht!

Das Tanka ist ein Gedicht aus 5 Zeilen, wobei folgende Silbenzahlen gelten: 5 - 7 - 5 - 7 - 7

Schnipsel und Fetzen
Fliegen durch meinen Schädel
Fetzen und Schnipsel
Rasen herum, flattern auf
Fliegen und wehen davon.

Spaßig finden die meisten auch das Spielen mit dem Senryu: Ein Gedicht aus 3 Zeilen mit nicht mehr als 17 Silben:

Eine Freundschaft
Ist wie ein Meer aus Wellen
Voller Licht und Sterne

Bei der Rückreise aus Japan komme ich gerne zum klassischen Elfchen: Ein Gedicht aus elf Wörtern, die sich wie folgt auf 5 Zeilen verteilen:

1 Wort
2 Wörter
3 Wörter
4 Wörter
1 Wort

Innsbruck
Zwischen Bergen
Die Hitze brennt
Ich verträume den Tag
Heute

Na los, nun fangen Sie schon an! Begrenzungen wollen überwunden werden. Schreiben ist ...
... Spiel!

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