Donnerstag, 3. Februar 2011

Exposé - die härteste und schwerste Schreibarbeit

Finde ich wirklich. Das Exposé - also ein gutes, eines, das ich aus der Hand geben kann, und zwar guten Gewissens, eines, das alles sagt, aber nicht zuviel - das ist das schwerste Stück Schreibarbeit, das ich mir vorstellen kann.
Wenn ich einmal mit einem Roman begonnen habe, nehmen mich meine Figuren bei der Hand und führen mich. Oder ich sage ihnen, was ich von ihnen erwarte. Meistens geht beides ineinander über. Im Laufe des Schreibens gewöhne ich mich an den Klang dieser neuen Story; ich ermittle ihren Soundtrack. Ich lerne Plätze und Zeitabschnitte im Leben meiner Figuren kennen und setze sie zueinander in Beziehung. Kurz: Ich bin drin. So richtig. Manchmal tauche ich auf und schnappe nach Luft, an jenen Tagen, an denen nichts so richtig läuft. Aber trotzdem bin ich drin. Die Geschichte ist schon ein Teil von mir, der Plot hat sich mit meinem Alltag verwoben.

Anders beim Exposé: Ich weiß zwar, wo ich hinwill und wer da mitkommen soll - aber ich sehe den Weg nicht. Ich stelle mir einen Weg vor, aber ich gehe ihn noch nicht. All jene kleinen Zufälle und plötzlichen Verwicklungen, die sich erst beim Schreiben ergeben, liegen noch im Dunkel verborgen. Glücksmomente, unerwartete Erkenntnisse, ungeplante Kameraschwenks, die dem Buch Atem einhauchen, können sich im Exposé nicht ereignen. Es ist wichtig, es ist essentiell, aber es ist nicht das Buch.
Das Exposé wirkt sehr technisch, sogar technokratisch, irgendwie leblos. Es ist ein reines Verkaufsargument, zunächst. Später wird es zum Kompass des Romans. Das aber erst zu einem Zeitpunkt, wo ich mich schon mit ihm angefreundet habe.

Für alle Autoren, denen es ähnlich geht, habe ich hier ein paar Tipps zusammengestellt, die mir geholfen haben, mit Exposés besser zurande zu kommen. Wohlgemerkt: Es sind keine Hinweise, wie ein Exposé aussehen soll, sondern wie man (wie ich) mit dieser sehr speziellen Textsorte besser in die Gänge kommt (komme):

Schreibe einen schnellen, ersten Entwurf (45 Minuten sollten reichen).
Vergiss dabei sämtliche Details. Konzentriere dich auf die große Linie.
Schnapp dir die stärksten Figuren und führe sie in die Brennkammer.

Nimm dir dein Exposé am nächsten Tag vor.
Finde heraus, wo die Leidenschaft in deinem Roman versteckt ist.
Wo kann ich ehrlich sein? Noch ehrlicher? Ein bisschen ironisch?
Wo ist Frische, Jugend, ein Lächeln?

Nun redigiere, bis der Ekel verfliegt.

Kommentare:

Mariam Kobras hat gesagt…

Gut gesprochen, Löwe. Und so wahr.

Petra hat gesagt…

Das mit dem Ekel ist gut! ;-)
Ich hätte auch einen Tipp: Erzähle jemandem völlig Unbeleckten am Telefon in höchstens 1:30 min (Länge eines Nachrichtenspots), was für eine irre tolle Geschichte du dir ausgedacht hast und warum die Welt sie unbedingt kennenlernen muss. Nerve damit zehn Leute und du hast den Kern deines Exposés.

Auch hilfreich in Sachen "Lesernutzen" fürs Verkaufsargument: Einem absoluten Nicht-Fan Rede und Antwort stehen, warum ausgerechnet ich ausgerechnet dieses Buch veröffentlichen muss.

Friederike Schmöe hat gesagt…

Klasse Vorschlag, Petra! Danke!