Mittwoch, 19. Januar 2011

Was ist wichtig?

Kathia Caroline hat in ihrem Blog einen interessanten Beitrag gepostet. "Make sure you are in the right place". Am richtigen Platz sein, sich wohlfühlen, im Fluss sein - es gibt eine Menge Ausdrücke dafür, sich in einer positiven Lebenssituation zu befinden, die Leistung ermöglicht, ohne dass man sich kaputtarbeitet, die keine Monotoniefallen aufstellt, in der das Einkommen stimmt, das soziale Miteinander, in der die Träume wie die Taten Platz haben und so weiter.
Für Schriftsteller ist die innere Balance, der Eindruck, in der Welt in Sicherheit und gut aufgehoben zu sein, besonders wichtig. Wo wir täglich bei unserer Arbeit aus uns selbst schöpfen, sollte es viel geben, aus dem geschöpft werden kann: Julia Cameron spricht in ihren Büchern meist von einem inneren Teich der Ideen (und das ist mehr als nur eine Liste der Themen, die wir irgendwo ablegen, weil wir irgendwann mal vielleicht darüber schreiben wollen). Wenn ich über mein Schaffen nachdenke, stelle ich fest, dass ein knappes Dutzend Komponenten entscheidend sind, um schriftstellerisch zu arbeiten, und zwar mit (innerer) Befriedigung und im Gleichgewicht mit den eigenen Kräften und denen der anderen:
Schlaf, Bewegung, Ernährung, Freunde, Anerkennung, Einkommen, Abwechslung.
Sieben Punkte - ist das verdächtig? Nun, die Liste ist offen. Freue mich über die Erfahrungen anderer Autoren! Schickt Kommentare! Danke!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es gibt zwei unterschiedliche Leben für mich. Auf der einen Seite bin ich der ganz normal arbeitende Arbeiter, wie jeder andere auch. Auf der anderen Seite bin ich die Autorin, die durch das Schreiben lebt; neue Welten erschafft und nebenbei Zeichnerisch aktiv ist. Für mich ist Schreiben wie die Luft zum Atmen. Ohne diesen kreativen Gegensatz geht es einfach nicht. Gleichzeitig stelle ich mit jeder Kurzgeschichte fest, wie ich die Leute auf neue Ideen bringe. Für mich zählt es mehr, wenn die Leser meine Kurzgeschichten lesen und danach über ihre Umwelt nachdenken. Ich habe mich bewusst, damals für den ungwöhnlichen Stil entschieden. Sozialkritische Themen in das Gewand von Scifi und Fantasie zu hüllen, weil ich auf diese einzigartige Weise Niemanden verletze. Einmal bekam ich eine Mail von einem VIP: "Ich habe mich selbst in der Kurzgeschichte wieder gefunden" Da war ich erstaunt. Hinzu kam, dass ich auch die Leser zu neuen Ideen ermuntere, was ich spannend finde.

Für mich ist Schreiben wie eine Droge ohne die ich nicht leben mag und will. Ich bin dankbar für jeden Fan, sei er/ sie ein VIP oder nicht.

Mir gibt es Kraft weiter zu machen. Denn mit Projekt Yell verbinde ich auch einige klar definierte Ziele: Später Kinder und Jugendliche zu unterstützen, die aus den unterschiedlichsten Gründen von zu Hause ausziehen oder weglaufen.
Etwas für den Umweltschutz zu tun, weil wir haben nur die eine Erde.

Ende 2011 werde ich vielleicht endlich meinen Debutroman veröffentlichen! Mal sehen, was passiert.

"Wir schreiben jetzt unsere Zukunft...nicht gestern."

Petra hat gesagt…

Ganz ehrlich: Ich halte überhaupt nichts von der Theorie der idealen Umstände, zumal sie viele Menschen dazu verführt, nie ernsthaft mit dem Schreiben anzufangen oder durchzuhalten, weil ja irgend ein Faktor nie ganz stimmt. (Meinen Namen anklicken, da gibt's den Beitrag fürs Gegenteil).

Meine besten Bücher habe ich unter den schlimmsten Umständen geschrieben. Trotzdem. Weil ich gar nicht anders kann als schreiben... Hätte ich aufs Wohlfühlen gewartet, was dann?

Ich brauche zum Schreiben vor allem eines: Eine Menge Leben mit all seinen Erfahrungen. Menschen in all ihren Facetten, inklusive der Ekel. Emotionen aller Arten - nicht nur Glück. Woher soll sonst die Tiefe kommen?

Allerdings gibt es eine einzige Grenze, nämlich das Einkommen. Ein Mensch, der Lebenspanik entwickelt oder von Existenzängsten zerfressen wird, ist nicht mehr kreativ.

`Christa hat gesagt…

Liebe Friederike,

dein Beitrag von heute hat mich in eben dieser Stimmung und mit ähnlichen Gedanken ewischt, wie ich sie mir gerade mache. Ja, das alles,w as du aufzählst, ist Vorausetzung dafür, dass man aus seinem "inneren Teich" schöpfen kann. Manchmal muss man sich diese Bedingungen allerdings auch erst schaffen oder erkämpfen, und zwar täglich neu.
Danke für diesen und viele andere Beiträge!

Herzliche Grüße
Christa

Rabenblut hat gesagt…

Ich komme auf viel weniger Punkte als Du: Keine Schmerzen, kein Hunger, keine Übermüdung. Das reicht.;-)
Alle anderen Punkte (wie Freude, Anerkennung, Abwechslung etc.) ergeben sich überhaupt erst aus dem kreativen Schreiben.
Zum Schreiben muss man nicht glücklich sein - manchmal ist sogar das Gegenteil richtig. Und auf das innere Gleichgewicht müsste ich lange warten - lebenslang. Leider.

Liebe Grüße
Nikola

Anni Bürkl hat gesagt…

Andere Interessen außerhalb der Literatur (also nicht nur des Schreibens) finde ich mittlerweile sehr wichtig! Dzt. stricke ich zB. gern.

Westsideblogger hat gesagt…

Lesen, lesen, lesen.
Ruhe.
Verarbeiten.
Aufbereiten.
Lesen, lesen, lesen.
Überarbeiten.

So in etwa.

philgeland hat gesagt…

Ein annehmbarer Text - wenn man ihn denn mal hinbekommt - entsteht meines Erachtens nicht aus einem Gefühl des Wohlbefindens heraus, sondern aus einer "Notwendigkeit", etwas ausdrücken zu müssen. Man "flieht" nicht vor dem "Alltag", sondern stellt sich; es ist Arbeit an sich selbst, mit den Gedanken und Erfahrungen, die einen bewegen - seien sie nun positiver oder negativer Natur.

Verarbeiten, aufbereiten, prüfen und überarbeiten. Es ist das Ergebnis, welches Wohlbefinden beschert.

Quirina Roode-Gutzmer hat gesagt…

Liebe Friederike,

Es war ein Vergnügen deinen Blogeintrag zu lesen. Gerne teile ich mit Dir wie ich es so erfahren meine Kreativität anzuzünden.

Für mich ist es wichtig, dass es keine groβe Sorgen, z.B. kranke Kinder oder eine kaputte Heizung Mitte des Winters, gibt. Friedlichkeit zu Hause und im Büro: keinen groβen Ärger in unsere wichtigste Beziehungen. Wenn es also Sorge gibt, wird Kreativität natürlich nötig die Lösungen der Probleme zu finden.

Auch wenn Alltagstabilität herrscht, ist es oft nötig den normalen Rhythmus wieder zu zerstören um unsere Kreativität zu wecken. Entweder stehen wir sehr früh auf, oder wir gehen sehr früh (und damit meine ich nach Mitternacht) ins Bett. Die Hauptsache ist wach zu sein wenn das Teil deiner Welt schläft. Oder man macht interessante Ausflüge, z.B. zu einer Kunstgallerie oder sogar einen Kaffee bei dem Flughafen zu trinken. Einfach so. Aber was wichtig ist, man muss allein sein. Spazierengehen oder Kanufahren, wo den Körper sich etwas monoton oder rhythmisch bewegt, sodass die Gedanken frei sind. Der Kreativitätsprozess kann auch weiter gefördert werden durch eine Tasse Kaffee, oder ein Glas Wein, und für mich oft ein heiβes Bad.

Zum Kreativitätswohl!

Liebe Grüβe,

Quirina

Mariam Kobras hat gesagt…

Gesundheit. Die lange Zeit als ich krank war konnte ich nicht schreiben, mein Kopf war viel zu sehr mit meinem Leid beschäftigt. Ort und Zeit sind egal, mein Buch ist auf der Wohnzimmercouch entstanden während meine Familie um mich herum tobte, oder gar in der Schule, während der Arbeitspausen im Lehrerzimmer.