Donnerstag, 27. Januar 2011

Warum Schreibworkshops?

Fragte mich mal jemand. "Warum willst du eigentlich, dass alle Leute schreiben sollen?" Meine Rückfrage: Oops? Will ich das? Ich kam ins Grübeln. So, wie es die Frage suggeriert, ist es nun beileibe nicht. Aber ich habe einfach die Erfahrung gemacht: Viele wollen es tun, und manche suchen eine Anregung, wie sie damit anfangen können.
Um uns herrscht allgemeine Ratlosigkeit und Erschöpfung. Moderne Menschen drücken sich kaum noch aus. Sie zeigen nicht, was in ihnen geschieht. Sie agieren wie Spiegel, die die Außenwelt darstellen und führen das Stück auf, von dem sie meinen, dass es jemand auf ihr Programm gesetzt hätte.
Die wenigsten haben eine schöpferische, ihr Inneres berührende Beziehung zu anderen Menschen oder zur Natur. Wahrscheinlich nicht einmal zu sich selbst. Sie sind in sich selbst eingesperrt, verspüren aber eine gewisse Sehnsucht, sich nach außen zu kehren (wenngleich diese ihnen nicht unbedingt bewusst ist). Sagt man in einem Seminar, dass jeder lernen kann, zu schreiben, flammt im Raum eine hoffnungsvolle Aura auf. Die Blicke werden weicher und zeigen ein ehrliches Bisschen von dem, was tief drinnen in der Seele verschmachtet: die Sehnsucht danach, sich selbst Ausdruck zu geben.

Ein Workshop ersetzt kein Philologiestudium und keine (lebenslange) Leidenschaft für das Lesen. Er kann jedoch Grundlagen des Schreibhandwerks zeigen. Man kann nicht einfach loslegen und eine schriftliche Nabelschau produzieren, ohne eine Ahnung zu haben, wie das literarisch geht, wie eine Geschichte aufgebaut ist, und welche sprachlichen Basiskenntnisse dafür notwendig sind. Es wäre, als reiche man einem völlig Ungeübten Hammer und Meißel und bitte ihn, ein Selbstbildnis in Stein zu hauen.Vor allem aber ist eine Schreibwerkstatt ein Ort der Ermutigung. Wir brauchen drei Dinge: Den Weg nach innen, die Kontaktaufnahme mit unser eigenen Kreativität (Schöpferkraft – klingt stärker), das Handwerk, das in den Workshops in Grundlagen vermittelt wird, und das Spielerische, das Ausprobieren, Fragmentieren; Bruchstücke, Skizzen, Fantasien, Etüden
.

Kommentare:

Henny Hidden hat gesagt…

Aus meiner Erfahrung würde ich noch hinzufügen. Sich mit den Ideen und Vorstellungen anderer Teilnehmer schöpferisch auseinanderzusetzen, ist ein ganz wichtiger Punkt, der den Horizont ungemein erweitern kann.

Beste Grüße

Henny

Ursula hat gesagt…

Ich freue mich Ihren blog gefunden zu haben.
Ich schreibe seit 10 Jahren Tagebuch und seit über 5 Jahren blogge ich.

Meine Idee ist es workshops übers Tagebuch schreiben zu geben. Können Sie mir ein paar Tipps geben? Vielen Dank.
Herzliche Grüße aus dem verschneiten München.

Friederike Schmöe hat gesagt…

Guten Tag, Ursula!

Ab und zu poste ich was mit dem Tag "Tagebuch". Vielleicht finden Sie dort etwas?
Viel Freude und Erfolg!

Friederike Schmöe hat gesagt…

Hallo Henny,
das ist ein guter Hinweis! Darüber staune ich auch immer wieder!
Gruß,
Friederike

Mariam Kobras hat gesagt…

Lesen, lesen, lesen. Schreiben.