Donnerstag, 13. Januar 2011

Der Buzzzzzzzz

Guten Tag. Kea Laverde hier,
und mit mir ist heute nicht besonders gut Kirschen essen.
Ich wollte mich mal zum Thema "Kritik" äußern. Als Ghostwriterin bin ich oft unsichtbar, die Kritiker schießen sich auf die Menschen ein, die unvorsichtigerweise ihren Namen auf die Titelseite des Buches geschrieben haben und nun für deren Urheber gehalten werden. Naja. Aber mitunter muss ich dann doch mal dazwischenfahren - denn was unter "Kritik" und "Rezension" firmiert, ist mitunter nichts als dusseliges Gesummse. "Buzz" als Label auf Blogs geht mir sowas von auf den Geist. Jeder quasselt mit im weltweiten Strom. Dummerweise meint auch jeder, wahrhaft etwas zu sagen zu haben!
10 Punkte in aller Freundschaft:
  1. Kritik war einmal eine Kunst. Sie ist zu einer feindlichen Gesinnung geworden.
  2. Aus (1) ergibt sich: Menschen fühlen sich bisweilen persönlich beleidigt oder vom Autor gedemütigt, weil ihnen das Buch, das sie kritisieren/rezensieren, nicht gefällt. Sie wähnen sich offenbar um ihr sauer Erspartes betrogen, das sie in ein Taschenbuch investiert haben. Schon Pech, wenn man im Internetbuchshop kauft und nicht mal eben in der Buchhandlung das erste Kapitel durchblättern kann!
  3. Will sagen: Sie müssen dieses oder jenes Buch nicht lesen, selbst wenn Sie nach einem Laverde-Werk Ausschau gehalten haben. Ist Ihre freie Entscheidung, Gentlemen!
  4. Im Internet ist fast jeder Büchernarr ein selbsternannter Rezensent. Man kann wahre Juwelen unter den Buchbloggern finden. "Rezensionen" im Ama-Tsonien-Land sind keine. Weder Juwelen noch (meist) echte Rezensionen. Sie sind Wellenrauschen im Ozean des Internets.
  5. Warum so hart geurteilt unter (3)? Weil zum Schreiben einer Kritik mehr gehört, als das Buch gelesen zu haben. Doch selbst dies ist nicht immer der Fall - Pseudoleser, die den Text kurz überflogen haben, sind flott entlarvt.
  6. Was also sollte ein Rezensent können? Er sollte Ahnung von Literatur haben: Wie sie funktioniert, wie ein Roman, ein Genre aufgebaut, wie der Buchmarkt strukturiert ist. Er sollte mal gehört haben, dass "Erzähler" nicht identisch mit "Autor" ist. Selbstverständlich nimmt man an, dass ein Rezensent mit "Text" umgehen kann. Und er sollte der Sache, der Zielgruppe und dem Werk angemessen rezensieren. Ein leichter Familienroman mit Jahreswechselgeblödel ist kein Jahrhundert-Problem-Epos, das uns die Wirren der Politik erklärt.
  7. Ein Rezensent muss merken, wann etwas ironisch gemeint ist.
  8. Er darf sich nicht im Ton vergreifen. (Dazu gehört, dass einem Personal Historian mitunter vorgeworfen wird, er [oder sie] wolle nur mal schnell Geld machen. Klar, ich verdiene natürlich Geld mit meiner Arbeit, wie ein ernstzunehmender Rezensent in den meisten Fällen auch!)
  9. Aus (7) spricht die Anforderung, sachlich formulieren zu können.
  10. Ich lese keine Kritik, in der mehr als zwei Rechtschreibfehler vorkommen. (Genaugenommen schalte ich schon beim ersten Kommafehler ab.)
Das soll Sie nicht daran hindern, mir Ihre Kritiken zukommen zu lassen. Ich verspreche Ihnen: Ich lese sie alle.
Na dann.
Ihre Kea Laverde

Kommentare:

AnnetteWeber hat gesagt…

Oh, dieser Post spricht mir aus meiner tiefsten Seele!

Gruß Annette

Friederike Schmöe hat gesagt…

Das freut mit, Annette. Danke für die Rückmeldung!
Gruß,
Friederike

Heinrich hat gesagt…

Liebe Frederike Schmöe,

mir fällt siedend heiß ein, dass es von mir unhöflich ist, "hinter Ihrem Rücken" zu reden.

Ich war so begeistert von Ihren 10 "Rezensions-Geboten", dass ich in meinem Blog darüber geschrieben habe. Nun sind doch einige Kommentare dazu eingegangen, die für Sie als "Feedback" nützlich sein könnten.

Ich meine, verstanden zu haben, worum es Ihnen wirklich geht! Die Menschen, die Sie mit so offenen Worten "abschrecken", hätten sowie keines Ihrer Bücher gekauft - nicht einmal ein Taschenbuch. Die verpeilten Rezensenten ja auch nicht mehr, da die Ihre Bücher ja sooo schlecht finden. ;)

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und vor allem Spaß am Beruf!

Gruß auch an Frau Laverde

Heinrich

Friederike Schmöe hat gesagt…

Danke, Heinrich, dass Sie das Thema aufgegriffen haben! Ich glaube, Frau Laverde und Sie könnten noch einige interessante Diskussionen führen ;)

Beste kollegiale Grüße!