Donnerstag, 29. Juli 2010

Schreiben im Tandem

Das ist jetzt neu. Zumindest für mich. Individualistisch (wie fast alle Schriftsteller) habe ich bislang nur allein geschrieben. Jetzt kommt was Neues: Unter dem Titel "Zeichen und Wunder" wird 2011 eine Anthologie von Texten erscheinen, die allesamt in Partnerarbeit entstanden sind. Die Idee stammt von einer Gruppe Germanistik-Studenten von der Universität Bamberg, die gemeinsam mit ihrem Dozenten eine Tandem-Konstruktion ins Leben gerufen haben: Alte Autoren (solche wie ich) und junge schreiben gemeinsam. Genre, Perspektive, Gattung, Figurensetting - alles ist frei. Wir werden sehen, was dabei rauskommt. Schreiben im Dialog, gegenseitige Kritik (doch! als Kunst!), eine Art Pingpong auf dem Tandem. Ein Projekt, jenseits der Planbarkeit. Meine Partnerin heißt Bettina und fängt derweil schon mal an, ein bis zwei Seiten zu schreiben. Die kriege ich dann und ... hm ... mal sehen.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Mal "danke" sagen

Es ist einfach so: Lesungen und Literaturabende und so weiter leben nicht nur vom Autor, der da angefahren kommt, mit seinem Buch unter dem Arm und den allerbesten Absichten. Sie leben von den Veranstaltern!
Klar merke ich als erste, wenn ich den Ort des Geschehens betrete, ob ich wirklich willkommen bin - oder ob man halt mal ne Lesung macht, um die Kundschaft wieder ins Geschäft zu kriegen. Da hilft auch der Weißwein nichts, die Häppchen genausowenig: Wenn die Angestellten nur dabeibleiben, weil sie müssen, dann spüre ich das, und die "Kundschaft" ebenso.
Es gibt ja eine Reihe von Möglichkeiten, eine Lesung fetzig zu gestalten: Das Interview vorher, die Getränke und die Canapés, die musikalische Begleitung (genau, kommt immer an), die Diskussion mit dem Sekt in der Hand oder einfach der Spaß an einem Plausch zwischen Autorin und Lesern (also, mir macht das Spaß!). Doch das Entscheidende ist die Atmosphäre, die sich zwischen den Stuhlreihen dahinschlängelt, und dem Text einen Klang mitgibt, den ich nicht allein hervorbringe, sondern der sich irgendwie auf geheimnisvolle Weise einstellt. Daher wird es Zeit, mal DANKE zu sagen den Veranstalterinnen, die mich in den letzten zwei Monaten empfangen haben, und die alle miteinander für einen beschaulichen, spannenden, und trotz Hitze gut besuchten Leseabend gesorgt haben:
Miesbach (Frau Rausch) mit den diskussionsfreudigsten Leserinnen seit langem, Bad Staffelstein (Frau Geis und Frau Fischer) für das eiskalte Radler und die Oktoberfestbrezeln, Lichtenfels (Frau Wittenbauer), wo eisgekühlter Weißwein die erhitzten Gemüter abkühlte, und schließlich Kulmbach (Frau Friedlein), wo ich die romantischste Lesung des Jahres direkt unterhalb der Plassenburg hatte, mit Mauersegler-Kreischkonzert und düsteren Wolken ohne Regendrang.
Besten Dank - ich freue mich aufs nächste Mal!

Sonntag, 25. Juli 2010

Jedem Buch seine CD

Krimi und Musik. Weil mit Musik alles besser geht? Weil alles eben fließt, mit dem Rhythmus aus dem CD-Spieler, richtig losrauscht, wie ein Bergbach?
Ohne es zu bemerken, habe ich angefangen, jedem Buch seine CD zu "geben". Oder hat sich eine CD herbeigeschlichen, zunächst ganz zart, katzengleich, um sich dann einfach nicht mehr abschütteln zu lassen?
Vor allem der Showdown erfordert einen schmissigen Rhythmus - Staccatos, die prasseln wie die Schüsse aus der alten Makarow. Oder feinsinniges Schmirgeln, Drücken, Schieben, Sniper-rhythm ... rallentando, rallentando, die Katze nicht so schnell aus dem Sack lassen. Nur ein Vivacissimo pro Krimi!
Doch vor dem Showdown liegen harte Zeiten. Morgenstunden, in denen der Computer umkreist wird wie ein ungenießbare Beute. Hier, in diesem Rechner, ruht die Geschichte, ich muss schreiben, mindestens 10 Seiten, der Abgabetermin naht ... Alle Disziplin nützt nichts, die Emotionen wollen überzeugt werden, und das geht eben am besten mit - MUSIK!
Ich hatte schon: Brahms: Ein deutsches Requiem; Dvo
řák, Symphonie aus der neuen Welt; Balkanbeat, The Garifuna Women's Project; Zwetschgendatschi, Haydamaky, Ottmar Liebert ... Leser dürfen jetzt raten, zu welcher Musik welches Buch entstanden ist ... ich weiß es nämlich selbst nicht mehr!

Samstag, 17. Juli 2010

Tagebuch 3

Beim Nachdenken über das Tagebuchschreiben verlor sich ein Spur in meinem Kopf ... aber ich habe sie wiedergefunden: Ich nutze in "Wernievergibt" (Band 5 in der Laverde-Reihe, Erscheinsdatum: Februar 2011) ein irgendwo in der Pampa liegengebliebenes Tagebuch für den Plot. Das Tagebuch als Protagonist. Es zeigt die Katharsis einer Figur, die selbst nicht zu Wort kommt, jedenfalls zunächst nicht. Ihre spontanen, emotionalen Äußerungen, ihre Beschreibungen, Selbstanalysen und Imaginationen geben der Handlung ein Gerüst. Obwohl, 'Gerüst', das klingt nach 'Korsett', und das mögen wir nicht, stimmt's, Frau Laverde? Also sehen wir das Tagebuch, das unter einem Brombeerbusch schon fast verloren gegangen wäre, wenn eine Käseverkäuferin es nicht erspäht hätte, lieber als Ariadnefaden im Labyrinth des Krimis. Denn "Wernievergibt" erscheint mir, der Autorin, selbst noch wie ein Irrgarten, eine Höhle der 1000 Strapazen, ein Gewerkel der Mühsale. Aber so ist es immer, man vergisst es nur, wenn das Buch mal fertig ist und lesebereit im Rucksack auf der Tour zur x. Buchvorstellung ist, wie hart der Weg war, all diese Figuren einzufangen, sie ein bisschen im Netz zappeln zu lassen wie die Karpfen, um sie dann wieder in ihre Buchwelt zu entlassen.
Ach ja, Freundinnen von Juliane, aufgepasst: Juliane, die Ungeplante, die Schräge, die Also-wissen-Se-nee-Frau, begleitet Kea in Band 5 24h, 7 Tage die Woche.

Montag, 12. Juli 2010

Coala's Crimetime

Coala-TV zeigt die Schülersicht auf unseren Workshop in Coburg (ab Minute 9:20).

Freitag, 9. Juli 2010

Paul der Krake

Ein Deutscher (eingewandert!), den die Welt kennt! Neben Jerome Boateng und Mezud Özil! Die Internetgemeinde zwitschert über ihn. Paul ist der Star auf Youtube. Er bekommt die Aufmerksamkeit, die die schwarz-rot-goldenen Fußballfans so gern anderswo kanalisiert hätten: in einem Finalspiel unter Beteiligung der deutschen Elf. Man muss sich das vorstellen: ein 4 Jahre alter Tintenfisch aus England (!), dessen Intelligenz, wenn man dem Stern glauben darf, der eines Hundes entspricht, bringt Fantasie und Farbe in unseren seit Mittwoch so kläglich zusammengeschrumpften Fußballalltag.
Ich bekomme verblüffte Anrufe von meinen Freunden aus dem Ausland: "What about this octopus of yours?!" Und nun soll er heute um 11 voraussagen, wer das Deutschland-Uruguay-Spiel gewinnt. Na, prost Mahlzeit. Bald braucht Paul einen Bodyguard neben seinem Aquarium. Auf Twitter wird er schon fröhlich tranchiert, die ganze Story schreit einfach nach einem Krimi! Tintenfischkrimis gab es noch nicht, und seit einigen Tagen sinniere ich sowieso über die Zukunft des (deutschen) Krimis. Immer monströser, immer brutaler, immer unwahrscheinlicher ... doch das ist ein anderes Thema.
Der Mensch scheint von all den Statistiken, Expertenprognosen, dem logischen Kombinieren und analytischen Verrechnen von Variablen so erschöpft, dass er sich dem nachtwandlerischen Dahintreiben eines Kraken in einem Oberhauser Aquarium schwelgerisch hingibt. Endlich mal wieder was Versponnenes, ein wenig kreative Einbildung (die auch uns Autoren gut tut, wenn wir in den Minuten des abgeschwächten Bewusstseins vor dem Einschlafen die Ideen für das nächste Buch produzieren) - Paul erinnert uns an die weiche Seite des Denkens, die es uns erlaubt, weit zu schweifen, anstatt nach klaren Handlungsanweisungen, Befehlsketten und Algorithmen zu kalkulieren. Wir bewohnen unsere Gedanken wieder, so wie es dem Menschen eigen ist (dem Computer jedoch nicht), wir wagen spontane, analoge Verknüpfungen, wir spinnen ein bisschen (das steht uns Deutschen gut!), üben uns auf Stufe 1 in einem Anfängerkurs in Esprit de Finesse. Erweitern wir die Intelligenz um das Poetische! Danke, Paul, Tentakeltier!

Mittwoch, 7. Juli 2010

Wie die Leute reden

Zugegeben, ich lausche einfach gern. Ich mag es, zuzuhören, wie die Leute reden. O.k., vielleicht bin ich neugierig, aber ich schreibe eben am liebsten Dialoge. Beschreibung fällt mir schwer, Dialog leicht. Deshalb ist fast jeder Aufenthalt an einem Ort, wo man Leuten zuhören kann, Recherche.

Im Supermarkt:
Er: (Rast von der Kasse weg, Portemonnaie in der Faust.)
Sie: (Lässt den Wagen in der Schlange stehen, rennt hinterher) Gej mich des Geld, gej mich des Geld!
(Übersetzung ins Hochdeutsche: Gib mir das Geld!)

Im Klamottenladen:
Sie: (Kommt mit einem Arm Kleider aus der Kabine.) Hier bin ich.
Er: Ich seh's.

Auf der Straße:
Sie: (Guckt selbstvergessen ein Schaufenster an.)
Er: (Hält sein Radl am Lenker fest und klingelt wie irre mit seiner schrillen Klingel.)
Sie: Ja, ja.

Im Café:
Er: Das hat's reingerissen.
Sie: Rausgerissen meinst du. Reingerissen, haha! Du bist vielleicht blöd.

Realität ist einfach genial! (Fiktion auch.)

Samstag, 3. Juli 2010

Wie weit gehen Sie? - Der Krimi zur 200. "Wiesn" 2010


"Wieweitdugehst" - der vierte Fall für Kea Laverde. JETZT erschienen, ist bestellbar, käuflich zu erwerben, wartet in den Buchhandlungen, rechtzeitig zum Kofferpacken für den Urlaub, Lektüre für Flugzeug oder Bahn. Wenn Ihnen beim Lesen im Auto schlecht wird, fahren Sie ja vielleicht doch mit dem Zug? Es taugt auch für Hängematten auf Balkonen oder das Handtuch im Flussbad ... und erreichte mich heute morgen per Post als Karton mit Autorenexemplaren.





Und darum gehts:
Auf dem Münchner Oktoberfest stirbt ein 14-jähriger Junge in der Geisterbahn an einem Stromstoß. Schnell ist von Mord die Rede, das Medieninteresse ist riesig, es droht eine Massenhysterie. Ghostwriterin und bekennender „Wiesn-Muffel“ Kea Laverde begleitet ihren Freund Nero Keller, Hauptkommissar im LKA, bei den Ermittlungen. Dabei trifft sie auf Neta, die beruflich Kranken und Trauernden Geschichten erzählt, um deren Schmerz zu lindern. Kea ist fasziniert. Als Ghostwriterin interessiert sie sich für fremde Leben und freundet sich mit der Geschichtenerzählerin an. Als auf Neta ein Mordanschlag verübt wird, versucht Kea den Hintergründen auf die Spur zu kommen. Sie stößt auf einen Sumpf aus Gier, Lügen und unerfüllter Liebe …

Wieweitdugehst. Der vierte Fall für Kea Laverde. Meßkirch: Gmeiner-Verlag, Juli 2010. 277 Seiten, 12x20 cm, Paperback, € 9,90.ISBN 978-3-8392-1098-7

Donnerstag, 1. Juli 2010

Prahlhans

O.k., den Fehler machen wir Autoren gern. Nach all der Recherchearbeit wollen wir mal deutlich zeigen, was wir alles wissen. Detailgeröll poltert im Text herum. Wir erklären dem Leser alles, aber auch wirklich alles - wir können es einfach nicht lassen. Dabei reicht dem Leser das Minimum an Info. Er muss die Geschichte verstehen, dem Faden folgen können, aber nur bis zur nächsten Kurve im Labyrinth, was dahinter liegt, bleibt bitte im Dunkel, und nein, wir schreiben keine Abhandlung über Labyrinthe!
Zu viel Information bremst die Geschichte aus und die Spannung sowieso. Die Kunst besteht darin, dem Leser nur die Spitze des Eisbergs zu erkennen zu geben, aber gleichzeitig einen Eisberg zu konstruieren, an dem das Krimischiff kaum vorbeikommt. Von allen Koteletts ist das Saftigste für den Leser reserviert. O.k., Vegetarier kriegen die fetteste Aubergine paniert!