Samstag, 27. März 2010

Die Eieruhr

Sie taugt nicht nur für das 5-Minuten-Ei. Sie ist auch sehr nützlich, wenn es darum geht, Blockaden zu überwinden.
Wenn Sie vor dem Laptop sitzen und nichts geht. Wenn Sie sich ziemlich intensiv der Selbstzensur unterworfen haben. Wenn die Finger auf Arthritis umgestellt haben. Wennwennwenn sich alles verschwört gegen das innere Genie, den tollen Hecht mit den tollen Ideen.
Eieruhr auf 5 Minuten stellen und schreiben. Egal was. Und wenn es nur "kann nicht kann nicht kann nicht" ist. Völlig unwichtig. Entscheidend ist, dem evolutionären Faulpelz mittels vorgelebtem Beispiel zu zeigen, wo es langgeht. Dass nämlich immer was geht. Wenn man nur anfängt.
Nicht vergessen: Stift fallen lassen, sobald die Eieruhr scheppert.
Und danach: Have a break, have a ... (Belohnung!)

Dienstag, 23. März 2010

Action

Action ist öde. In diversen Vorabendserien fliegen Autowracks, explodieren Paläste, es kracht und scheppert, die Regisseure tun was fürs Visuelle und Akustische . In Büchern kommt das nicht so gut. Wozu seitenweise lesen, dass eine Menge Schrott produziert wird? Interessant ist dagegen, wie die Figuren auf Action, Katastrophen, Desaster reagieren. Erschüttere das Lebensfundament einer Figur, und sieh, was sie tut: mit sich selbst, mit den anderen. Am spannendsten sind natürlich Charaktere, die handeln, anstatt sich zurückzuziehen und auf bessere Zeiten zu warten.

Freitag, 19. März 2010

Nah dran sein

Habe das Gefühl, noch nie so nah an einer Story drangewesen zu sein wie in "Bisduvergisst". Womöglich, weil es eine beinah wahre Geschichte ist? Weil ich mit Zeitzeugen zu tun hatte? Ist die Wirklichkeit also doch die stärkere Geschichtenerzählerin? Oder gelingen manche Bücher einfach besonders gut? Schleicht sich von selbst etwas ein in die Arbeit? Nicht alles am kreativen Prozess ist erklärbar. Ich empfinde es auch nicht als wünschenswert, alles zu verstehen. Manches will ich lieber nicht wissen. Will nur die Kraft spüren, die zu fließen beginnt, wenn das Schreiben so richtig von selbst läuft.

Montag, 15. März 2010

Akzente eines Künstlerlebens

Das denke ich oft: Es geht beim Schreiben nicht nur um gute Storys. O.k., primär schon. Aber es geht auch um Akzente. Welche man wo setzt im kreativen Prozess - und damit im Künstlerleben. Viele Schwerpunkte ergeben sich mit der Zeit; Themen drängen sich immer wieder auf, obwohl man sie nicht mehr haben wollte. Figuren schmuggeln sich von selbst in die Geschichten ein, wenngleich der Autor sie nicht gerufen hat! Immer ein gutes Zeichen: Hier geschieht etwas Lebendiges, hier bündeln sich Kräfte. Zerstreutheit beruhigt sich. Die Charaktere und ihre Geschichte finden in den Rhythmus.
Akzente eines Künstlerlebens.

Donnerstag, 11. März 2010

Lieblingsbücher

Auch Autoren haben Lieblingsbücher. Meine sind in der Katinka-Reihe "Kirchweihmord" und in der Kea-Reihe "Bisduvergisst". Manche Bücher nehmen einen beim Schreiben auch mehr mit als andere. In Bisduvergisst hat mich v.a. die Schuld gefesselt, die Irma auf ihren Schultern fühlte, die aber ganz unnötig war. Zu glauben, man habe Schuld auf sich geladen, man sei schuld an etwas, obwohl es gar nicht so war ... genauso teuflisch wie die Schuld eines Menschen, einen anderen ein Leben lang glauben zu lassen, er sei schuld an einer Sache, obwohl der erste die Tat begangen hat.
Kraus formuliert? Ich muss ja Rücksicht nehmen auf jene, die das Buch noch nicht gelesen haben ...

Sonntag, 7. März 2010

Schnäbel und Mäuler

Dem Volk aufs Maul schauen - ein Bonmot aus der Lutherkiste. Aber es macht auch Spaß! Allein im Café sitzen und zuhören, lauschen, beobachten. Für Krimiautoren ist es unerlässlich! Hören, was gesagt wird, aber auch wie es gesagt wird. Wie erzählen Menschen? Elliptisch. Ganz bestimmt formen sie keine Exposition, wie wir sie aus manchen Büchern kennen. Sie verquirlen auch nicht alle Hintergründe. Ab und zu lese ich ein Buch und mag die Dialoge nicht. Dann lege ich das Buch weg. Über zu lange Beschreibungen kann ich drüberblättern. Aber nicht über künstliche Dialoge. Durch sie werden Figuren zu Pappkameraden, denen man anmerkt, dass sie nicht "echt" sind, sondern erfunden wurden. Klar, alle literarischen Figuren wurden erfunden, aber geben wir es doch zu: Wir wollen glauben, dass sie echt sind. Darum braucht man gute Ohren. Um mitzukriegen, wie den Leuten in der wirklichen Welt der Schnabel gewachsen ist. Und um den eigenen Figuren genau solche Schnäbel zu verpassen!

Dienstag, 2. März 2010

Schmöe und Laverde 1

Schmöe:
Massig neue Pläne im Kopf. Neue Bücher, neue Projekte, neue Konzepte, neue Serien, neue Figuren ... alles neu, neu, neu. Nur die Autorin bleibt immer dieselbe ...
Laverde:
Ja, super, schaff mich nur ab.
Schmöe:
So war das nicht gemeint. Ich frage mich nur: Kann man in immer der gleichen Umgebung neue Ideen hochkommen lassen? Braucht es Routinen - oder besser den Wechsel, die Anregung, Reize?
Laverde:
Klar braucht es die. Wenn du nichts erlebst - worüber willst du dann schreiben?
Schmöe:
In meinem Kopf passiert eine Menge.
Laverde:
In meinem auch. Bloß: Ist das erzählenswert?
Schmöe:
Was ist überhaupt erzählenswert?
Laverde:
Was neu ist, was anders ist.
Schmöe:
Das ist die Antwort der Journalistin.
Laverde:
Klar, es gibt nur zwei Plots in der Literatur. Damit gehen die Kreativ-Schreiben-Heinis auf die Pirsch: "Jemand macht eine Reise" und "Einer kommt fremd in die Stadt".
Schmöe:
Und die ewige Liebe ...
Laverde:
... so wie das ewige Verbrechen.
Schmöe:
Weil es ja eine literarische Tradition ist, die Abgründe der Gesellschaft über das Verbrechen zu schildern.
Laverde:
Abgründe? So tief soll's gehen?
Schmöe:
Zustände ist gleich Abgründe.
Laverde:
Jetzt wird's mir zu heiß. Gehen wir ins Shamrock und führen unsere Diskussion am Tresen weiter?
Schmöe:
Das führt mich zur nächsten Frage: Fährt ein Autor besser mit Disziplin, morgens aufstehen, an den PC und ran an den Speck ...
Laverde:
... oder mit einer gemächlichen Marschroute im Schritttempo? Also, ich habe Durst.