Samstag, 11. Dezember 2010

Mein Lieblingsbuch

Jemand fragte mich auf einer Lesung, was denn mein Lieblingsbuch unter meinen eigenen Büchern sei. Ich musste erst mal ein bisschen nachdenken. Irgendwie sind einem all diese Projekte ja ans Herz gewachsen. Aber einige enger als andere. Manche (eigene) Bücher werfen immer noch Schatten. So ist das bei mir mit "Bisduvergisst" (s. auch hier).

Klappentext:
Sommer 2009, während der Landshuter Hochzeit. Als die 82-jährige Irma Schwand die niederschmetternde Diagnose Alzheimer erhält, beauftragt sie die Münchner Ghostwriterin Kea Laverde, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Die Autobiografie ist für ihre Enkelin Julika bestimmt. Doch kurz nach dem letzten Interview mit Irma wird das Mädchen ermordet aufgefunden. Während der Kokon des Vergessens sich immer enger um die alte Dame schließt, entdeckt Kea, dass Irma jahrzehntelang einen Mord gedeckt hat - ein Tat, die in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges geschah ...
Ausgegangen war ich von der Frage, was eigentlich passiert, wenn ein Demenzpatient Zeuge eines Mordes wird, vergisst, was er gesehen hat, das Erlebte jedoch in Fetzen wiederkommt. Ich wollte eine Figur zeigen, die an Alzheimer erkrankt ist und dies weiß.
Erstgedanken von Autoren wandeln sich ja bekanntlich im Laufe eines Projekts, und so kam ich von der Ursprungsfrage ziemlich weit weg. Geblieben ist die Figur der Irma Schwand, einer Alzheimerpatienten, deren spätes Lebensglück darin liegt, dass ihre Enkelin Julika zu ihr zieht. Zwischen beiden scheint eine Seelenverwandtschaft zu existieren. Irma liebt Julika abgöttisch. Doch dann wird Julika ermordet, und der Schock verleiht Irmas Erkrankung einen Schub. Sie versinkt im Vergessen.

Hauptfigur Kea Laverde, Ghostwriterin, steht mit Irma in Kontakt, weil Irma sie gebeten hat, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Und hier komme ich als Autorin ins Spiel: Irmas Lebensgeschichte in "Bisduvergisst" ist nur zu Teilen fiktiv - ein Großteil ihrer Erlebnisse, von denen sie Kea berichtet, reichen zurück in die letzten Wochen des zweiten Weltkrieges. Beinahe die exakt gleiche Geschichte hat eine Zeitzeugin mir erzählt; zunächst kamen wir ganz zweckfrei darauf. Später dachte ich dann, ich könnte dieses für unsere Generation gänzlich unvorstellbare Abenteuer für einen Roman verwenden, und bat die Zeitzeugin um ihre Erlaubnis. Die bekam ich - sofern die Quelle anonym bliebe.

Da stand ich nun - mit Irmas Trauer, einer wahren Geschichte und dem Anspruch: Es soll ja ein Krimi sein. Also habe ich Irmas Lebensgeschichte einen Mord mitgegeben. Irma Schwand fühlt zeitlebens eine unerträgliche Schuld auf ihren Schultern. Doch erst Keas Recherchen bringen ans Licht, dass Irma ...

Nun ja.

Vermutlich ist es einfach so: "Bisduvergisst" ist mir so nahe, weil ich - wie Kea - einmal Ghost war. Gelauscht habe, eine wahre Geschichte erzählerisch wiedererstehen ließ, wenn auch für die belletristische Verwertung verfremdet. Echte Menschen und echte Geschichten lassen eben niemanden kalt.

Kommentare:

Christa hat gesagt…

Ich finde das sehr berührend, Friederike. Und ich würde es, wie deine anderen Bücher, auch gern einmal lesen.

Grüße
Christa

Friederike Schmöe hat gesagt…

Hallp Christa,
danke, das würde mich sehr freuen!
Bestens,
Friederike

Tanja hat gesagt…

Hallo Friederike!
"Bisduvergisst" ist soeben auf meine "Muss-ich-haben" gewandert. Deine Beschreibung klingt interessant und traurig zugleich. Ich bin gespannt! Viele liebe Grüße, Tanja

Ich wünsch dir einen guten Wochenstart!

Friederike Schmöe hat gesagt…

Hallo Tanja!
Ich finde es auch immer noch berührend. Das ist das Besondere an diesem Buch; ich kenne es in- und auswendig, aber es hat seine Faszination auf mich behalten ...
Liebe Grüße!
Friederike

Anni Bürkl hat gesagt…

Schon bestellt liebe Verlagskollegin! :-)

Danke für den Hinweis und die Geschichte zum Buch. Das macht es zu etwas Besonderem beim Lesen!

Friederike Schmöe hat gesagt…

Hallo Anni,
das freut mich!
Bestens,
Friederike

Uta hat gesagt…

Liebe Friederike,schade, dass ich alle Weihnachtsgeschenke schon zusammen habe, aber es gibt ja auch andere Anlässe... Ich muss auch gestehen, dass ich deinen Adventskrimi schon durch habe, ich konnte mich nicht darauf beschränken, jeden Tag nur ein Kapitel zu lesen. Ich hab's sehr genossen, vor allem weil ich im Sommer gerade in Franken gewesen war. Frohe Weihnachten wünscht
Uta

Friederike Schmöe hat gesagt…

Hallo Uta,
prima! Und es wird tatsächlich immer wieder Anlässe geben ... :)
Herzlich,
Friederike