Mittwoch, 1. Dezember 2010

Lust auf mehr Punsch?


Zum Appetitmachen hier ein Teil des ersten Kapitel aus "Süßer der Punsch nie tötet" als Leseprobe:

1. Dezember

(...)

(Im Kochkurs)

Katinka entschied sich für Spaghetti Bolognese, allerdings mit selbstgemachter Hackfleischsoße, rührte gemächlich im Topf und beobachtete dabei die anderen Kochschüler. Halb Männer, halb Frauen, der Kurs schien gut durchgemischt.

„Die Jungs haben wahrscheinlich eine sexy Sizilianerin erwartet“, flüsterte Katinkas Herdnachbarin, eine dralle Frau, die sich an Saltimbocca alla romana versuchte. „Mein Ex würde nie einen Kochkurs machen! Und deswegen mache ich jetzt einen.“ Trotzig schnitt sie ein großzügiges Stück Butter ab.

PLOPP! Die Bolognesesoße war am Explodieren. Hastig rührte Katinka im Topf, drehte die Hitze zurück. Sie gab etwas von Gefells Chiliflocken in ihre Soße. Kurz darauf übergoss sie die Pasta mit dem blubbernden Sugo.

„Schmeckt es?“, fragte Caro Terento, die an Katinkas Platz vorbeikam, und probierte ungeniert direkt aus dem Topf. „Überzeugend, Signorina, überzeugend. Etwas zu pikant für meinen Geschmack, aber überzeugend.“

Katinka aß heißhungrig zwei große Schüsseln Nudeln, testete das Risotto eines anderen Teilnehmers und überlegte, welches Gericht sie als Nachspeise auswählen sollte, als ein Miauen sie aufschreckte.

Sie fuhr herum.

Die dralle Frau, die neben ihr am Herd gestanden hatte, hüpfte auf allen Vieren im Kreis und miaute. Sie schwang den Kopf hin und her, schrie jämmerlich auf, warf sich gegen das Bein eines Mannes, der es sich gerade mit seinem Hähnchenbrustfilet alla barbaresca gemütlich gemacht hatte. Eine Cherrytomate plumpste ihm von der Gabel, direkt vor die Nase der kleinen Frau, die mit dem Mund danach schnappte, die Tomate schluckte, aufkeuchte und mit einem Stöhnen am Boden liegenblieb.

„Madonna!“, schrie Caro Terento und kniete sich neben die Frau. „Rufen Sie einen Arzt, schnell! Sie atmet nicht mehr.“

Alle Teilnehmer standen mucksmäuschenstill da, wie versteinert. Dann endlich kam Bewegung in die Truppe, mehrere zückten gleichzeitig ihre Handys. Katinka hockte sich zu Caro Terento und tastete nach dem Pulsschlag. „Nichts“, sagte sie, nachdem ihre Finger mehrere Sekunden lang über den Hals der drallen Frau gewandert waren, die eben noch ihre Show abgezogen hatte.

„Madonna!“, wimmerte die Terento und warf die Arme in die Luft.

Katinka wählte Hardos Nummer. Ein Arzt würde hier nicht mehr helfen können.

„Was ist los?“, bellte Hardo in den Hörer. Er war wie immer total überarbeitet. Katinka stellte sich vor, wie er erschöpft über seinen kahlen Kopf strich.

„Mord im Kochkurs.“

„Du machst Witze!“

„Mach ich nicht. Schickt jemanden vorbei.“ Sie trank Wasser direkt vom Hahn an der Spüle. Gefells Chili hatte es in sich.

Alle Rechte vorbehalten.
Friederike Schmöe: Süßer der Punsch nie tötet. Ein bitterböser Krimi zum Advent. Meßkirch, Gmeiner, 2010. 978-3-8392-1090-1. Jetzt in der 2. Auflage. € 8,90.

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