Dienstag, 5. Oktober 2010

Tschaikowsky

Da ist keiner wie er. Niemals.
Ein traumverlorener Moment am Schreibtisch. Neues Exposé steht an. Irgendwie geht nichts. Oder noch nichts Richtiges. Figur ist klar, Setting ist klar, Thema so halb (oder nein, noch gar nichts). Erzählperspektiven? Naja, ansatzweise geklärt. Die Warums für das Tun meiner Protagonisten liegen im Dunkel der Fantasie verborgen, die sich leider noch sehr am Riemen reißt. Der Plot - wenn es einen gibt - dämmert vor sich hin.
Was also tun? Spazierengehen, am Fluss, damit alles eben genau dahin kommt, "in Fluss"? Kaffee trinken, um den Herzschlag zu verunregelmäßigen?
Nein.
Musikothek durchsuchen.
Da hilft nur einer: Tschaikowsky.
Warum er? Vielleicht liegt es an dem unbändigen Wechsel der Stimmungen, die mich durchströmen, wenn ich seine Musik höre. So ist ihr Wesen: weich - hart - brutal - rasant - ganz leiseleiseleise ... Die rütteln an den Pforten der Imagination. Machen die Pferde scheu. Stellen die Dinge auf den Kopf. Endlich! Das ist wie im Krimi: Spannung und Lösung. Lust und Unlust. Aufregung und Beruhigung. Dann die große Erfüllung: Alle Gefühle taumeln zur Läuterung, hinein in den großen Strom, der so träge wie unerschrocken dahinfließt und alle Schlacken mit sich schwemmt.
Dramatisch.
Wie in einem guten Buch eben.
Da ist Entwicklung, da ist Werden.
Danke bestens, Pjotr Iljitsch!

P.S. ... und besonders für das Allegro moderato im Violinkonzert Nr. 35

Kommentare:

Rabenblut hat gesagt…

Mit Klassik angelt man mich immer sofort! Aber leider ist Tschaikowsky nicht so mein Fall. Obwohl ich bei Youtube eine tolle Version von diesem Allegro moderato mit Itzhak Perlman gesehen/gehört habe.
Beim Schreiben inspiriert mich am meisten Rachmaninov. Ich liebe, vergöttere Rachmaninov!
Und ich stimme Dir vollkommen zu: Da hilft immer nur Musik - nur Musik!

Liebe Grüße,
Nikola

P.S. Mein Tipp ist das 3. Klavierkonzert von Rachmaninov, das Allegro ma non tanto! Nie ist ein berauschenderes Konzert geschrieben worden.

Friederike Schmöe hat gesagt…

Hallo Nikola,
die russischen Komponisten lassen mir keine Ruhe. Danke für den Tipp!
Grüße,
Friederike

Rabenblut hat gesagt…

Dito!:-))

Sarah-Maria hat gesagt…

Tolle Beschreibung seiner Musik! Ich liebe Tschaikowsky auch sehr :)