Montag, 6. September 2010

Nicht blutig kratzen!

Kreative Arbeit hat nichts damit zu tun, dass man sich blutig kratzt, um was aufs Papier zu kriegen - nope! Es darf weh tun, weil es eben manchmal schmerzhaft ist, etwas zu erschaffen; eine Geschichte, einen Text zu schmeißen, der immer irgendwie mit dem Autor selbst zu tun hat. Bisweilen wird man da an die Grenzen geführt, weil man stellvertretend mit den erfundenen Figuren durchs Land reisend die eigenen Schmerzen wieder erlebt oder haarscharf an ihnen vorbeiratscht.
Dennoch: Wenn kreative Arbeit, wenn Schreiben zu hart wird, wenn man sich die Arme wundkratzt, dann stimmt was nicht. Denn es bedeutet letztlich: Du gibst zuviel von dir. Du reißt auch noch das letzte Bisschen Schaffenskraft aus dir raus. Dann wird der innere Teich, wo die Ideen schwimmen, überfischt; oder er ist schon ganz leer, im schlimmsten Falle vertrocknet.
Alarmzeichen:
  • Der Gedanke "Ich kann nicht mehr" wird immer drängender, sobald man den PC hochfährt oder den Stift in die Hand nimmt.
  • Schreiben geht nur noch mit Droge (Wein, Kaffee, Whiskey, Zigarette).
  • Die andauernde Gereiztheit des Autors zerrüttet sein soziales Umfeld.
  • Keine Lust mehr zum Lesen.
  • ...
Darum brauchen Schriftsteller so dringend kreative Pausen. Weil die Ideen, die Schöpferkraft mit all ihren Facetten, sich wieder einstellen, sobald ein wenig Stille im Innern eingekehrt ist. Sobald du wieder das tust, wozu du gerade mal Lust hast, am besten aber was Ruhiges: einen Vormittag im Café abhängen und Kurzgeschichten lesen; am Fluss spazierengehen; schwimmen gehen; in der Hängematte schaukeln und Musik hören. Vielleicht sind andere Schriftsteller sozialer gestrickt, aber wenn ich mich buchstäblich leergeschrieben habe, bin ich am liebsten allein. Keine Verabredung, kein Smalltalk. Nein, ich will dann nicht daran gehindert werden, bei mir selbst zu verweilen.
Julia Cameron verwendet ein schönes Bild: Übergib dich dem Strom der Kreativität. Der Lebensfluss fließt dahin. Treib einfach mit. Klingt märchenhaft, doch sich diesem sanften Dahinfließen zu überantworten, hat mich noch jedesmal wieder auf die kreativen Füße geworfen. Vielleicht gehe ich deshalb so gern am Fluss spazieren ...

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