Donnerstag, 16. September 2010

Literaturklimbim

Nein, zum Henker. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich habe auch keine Message. Ich habe einfach dieses Buch geschrieben. Habe ein paar fantastische Leute kennengelernt und bin ihnen gefolgt, einfach eine Weile neben ihnen hergegangen und habe ihren Gespräche gelauscht, in ihre Schlafzimmer gelinst und zugesehen, wie sie in der Badewanne lagen und ihre Speckfalten zählten. Ich fand die Typen sympathisch, krass und ein bisschen schräg, und weil ich hoffnungslos hypergraphisch veranlagt bin, habe ich die Story geschrieben.
Zufrieden?
Ich weiß nicht, ob ich mein Buch interpretieren muss. Vielleicht kann das jemand anderes machen. Ich schaffe die Kunst, und andere schreiben über sie. Einverstanden? Eine sinnvolle Arbeitsteilung. Sorry, liebe, verehrte Deutschlehrer und Literaturwissenschaftler, aber ich habe schon in der Schule keine Lust gehabt, jeden Satz zu zerlegen, um eine versteckte Absicht des Autors zu finden, und heute weiß ich sicher: Die meisten Sachen, die ich in meinen Büchern mache, geschehen von selbst. Einfach so. Da schleichen sich Figuren, Schusswaffen und Getränke ein, von denen ich keine Ahnung hatte, dass es sie gibt, noch dass sie irgendeine andere Bedeutung haben könnten, als den Leser zu unterhalten und ihn zum Lachen und zum Heulen zu bringen. Vermutlich hat der Zufall die Ideen geboren. Oder mein Unterbewusstsein. Oder es gibt da einen Generator in meinem Hirn, der abgefahrene Details hervorbringt ... Ich weiß es nicht und ich will es nicht wissen. Punktum.

Kommentare:

simona hat gesagt…

Das Gefühl ist mir vertraut, zumal sich auch noch einige Deutschlehrer in meinem Umfeld tummeln. Trotzdem erlebe ich mich mitunter als gespaltene Persönlichkeit. Mein eigener literaturwissenschaftlich vorbelasteter Kopf grätscht gern mal während des Schreibens rein und die Wahrheit ist: Ich liebe beides - den unbewussten klimbimfreien Flow des Schreibens und das genüssliche Zerlegen und Sezieren von Geschriebenem. Ich hoffe noch auf irgendeine Art von gelungener Assimilation. Irgendetwas, das diese beiden Streithähne versöhnt ;-)

Anonym hat gesagt…

Wer gerne Bücher seziert hat wahrscheinlich verdrängt oder sublimiert :-), daß der Weg zum "Es" meistens über die Anatomie geht, sei es Mr. Jekyll oder Dr. Freud (der, bevor er im "Tiebwagen" davonfuhr ein begnadeter Anatom & Mikroskopiker war)
Die Psycho-Anneliese...