Montag, 30. August 2010

Wie ein Krimi ... und so weiter

Viktoria S. schrieb mir neulich eine Mail mit einer Frage, die ich erstmal gar nicht beantworten konnte. "Wie - in welchen Schritten - entsteht ein Krimi?" Uff, Viktoria, ehrlich, das ist nicht einfach. Ich weiß es nicht, erstens, und wahrscheinlich sind die Schritte jedesmal irgendwie anders, zweitens. "Zum Krimi in zehn Schritten" - das klingt mir zu technokratisch, zu sehr nach Formel und zu fixiert. Kreativität ist aber nichts Festes; sie fließt.
Aber um Viktorias Frage zu beantworten: Man braucht 3 (in Worten: drei) Schritte:

Eine Idee
Ein Manuskript
Einen Verlag

Kommt noch was dazu? Hm.
Zunächst mal zur Idee. Du brauchst einen Einfall, einen Dreh- und Angelpunkt, worum es in dem Buch gehen soll. Zum Beispiel um einen Mord in einer Geisterbahn, einen Menschen voller Hass und Rachegedanken und dem felsenfesten Plan, die Hoffnung eines anderen Menschen zu töten. (So in "Wieweitdugehst").
Die Idee kann sich nachts im Traum mal kurz vorstellen. Sie kann beim Duschen oder Spazierengehen kommen oder durch intensives Recherchieren. Sie ist womöglich ein Geistesblitz, der herniedergeht, freundlicherweise, weil man ja schon so lang über einer Idee brütet. Die Idee sitzt manchmal auch schon monatelang auf der Schreibtischkante und baumelt mit den Beinen und amüsiert sich köstlich, weil die Autorin sie nicht bemerkt hat.

Ein Krimi enthält ja immer ein Rätsel, das aufgeklärt werden will, ein dunkles Geheimnis, das auf das Licht wartet, aber das ist wohl bei jedem Buch so; ansonsten hätte man wenig Spaß beim Lesen. Im Krimi aber braucht man noch ein paar Zutaten: einen Täter (Gangster, Ganoven, Bösen) und einen Ermittler (einen Guten). Selbstverständlich sind diese Bezeichnungen nur Bilder: Der Gute kann im Prinzip fieser, korrupter sein als der Ganove. Als Autor kann man den Leser auf die Seite des Ganoven ziehen usw.
Wenn die Idee steht, bastle ich einen Plot (andere Autoren machen das vielleicht anders). Ich lege mir zurecht, welche meiner Figuren wann was macht und warum. Das Warum ist ganz wichtig. Die Handlung muss ja in allem Irrsinn (den das reale Leben zuhauf bietet! die Wirklichkeit ist viel grausamer als alle Fiktion!) plausibel bleiben. Ich lege falsche Spuren aus, um den Leser zu verwirren, und baue ab dem zweiten Akt einen Subplot ein, um dem ganzen Stoff mehr Tiefe zu geben. Ich recherchiere zum Thema, zu den Schauplätzen und frage Spezialisten (zB Juristen oder Pathologen) nach ihrer fachkundigen Meinung.

Dann kommt Teil 2. Ich schreibe das Manuskript. Von A bis Z, meistens in dieser Reihenfolge, und nur selten greife ich vor und lasse ein paar Kapitel aus, um sie später hinzuzufügen.
Dann lese ich das Manuskript wieder und verbessere. Und nochmal und nochmal und nochmal und nochmal, bis ich der Meinung bin, dass ich den Text einem vertrauten Testleser zumuten kann. Der Testleser muss wohlmeinend, aber kritisch sein.
Wenn er das Buch gelesen und seine Ansicht der Dinge abgegeben hat, lese ich wieder und verbessere und lese und verbessere ...

Kommt Teil 3: der Verlag. Meine Lektorin kriegt das Manuskript und darf es nach Herzenslust zerfleischen. Danach telefonieren oder mailen wir, diskutieren, überarbeiten, korrigieren ... und dann - lange danach - liegt das Buch gedruckt und mit ein paar Tippfehlern (seufz) versehen in den Buchhandlungen.
Das ist das ganze Geheimnis, Viktoria!
(Und falls andere Autoren andere Geheimnisse haben, die sie mit uns teilen möchten, dann freuen wir uns über Kommentare ...)

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