Sonntag, 15. August 2010

Wenn nichts mehr geht

Diese Momente gibt es. Ich kenne sie, und meine Autorin kennt sie auch. Momente, in denen nichts mehr geht. Die Quelle ist versiegt. Alle Kniffe, Recherchen, alle präzise Vorbereitung, alles Plotten und Planen versagt. Dir fällt nichts ein. Du probierst es mit dem Computer, mit dem Netbook, mit Stift und Papier - negativ. O.k., ich habe mein Rückzugsgebiet. Sie ahnen es, ich sitze im Shamrock am Tresen, draußen knallt die Sonne aufs Pflaster, aber ich sitze im Halbdunkel. Ich mag das! Über mir gebiert der Ventilator Kühle, er versucht sein Bestes, ich trinke einen armenischen Cognac für die Durchblutung, gehe dann zu schwarzem Kaffee über und halte den Kugelschreiber griffbereit.
Nichts passiert.
Nein, das ist noch keine Schreibblockade. Nur eine Warnung. Vorsicht, der Teich mit den Ideen ist überfischt. Es geht ja nicht nur darum, was ich schreibe; das habe ich notiert, meine Kunden wollen sich in meinen Texten ja wiederfinden, hugh, ich habe gesprochen. Es geht auch darum, wie man es schreibt. Da gilt es eine Perspektive zu wählen. Einen Klang, der die Geschichte zum Schwingen bringt. Einen Rhythmus, der die Story vorantreibt, ohne Hatz, aber authentisch. Die Beschreibungen müssen clever eingestreut sein, um das Drumherum zu skizzieren, ohne die Handlung zur Kulisse zu degradieren. Das geht manchmal einfach alles nicht zusammen. Ort und Zeit fressen Thema und Perspektive. Mit dem Schreiben ist es wie mit Fußball: Bisweilen triffst du einfach nicht, auch wenn die Presse dich letztens zum Man of the Match gekürt hat.
Deswegen nehme ich jetzt doch einen Single Malt und beobachte, wie die Schmeißfliege um den Ventilator kreist, weil sie sonst nichts Besseres zu tun hat. Der Eiswürfel schmilzt und ich lese ein paar Gedichte, am besten was Hermetisches, während mein T-Shirt zu müffeln beginnt und mir einfällt, dass ich Gänsefutter besorgen muss für Waterloo und Austerlitz. Dann fahre ich vielleicht mal zum Ammersee oder nach Innsbruck auf einen großen Braunen.
Und dann, irgendwann, fällt mir schon wieder was ein.
Klar rechne ich die Fahrt nach Innsbruck und den Kaffee als Spesen ab. Das ist doch Arbeit, was denken Sie denn!
Mit Verlaub.
Ihre Kea Laverde

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