Samstag, 16. Januar 2010

Über Gewalt

Krimiautoren sehen sich zuweilen der Frage ausgesetzt, wie sie es denn mit der Gewalt hielten.
Hm.
Also, ich kenne keine gewalttätigen Krimiautoren, aber ich kenne eine Menge Krimiautoren. Ich würde sagen: Der typische Krimiautor ist eher zurückhaltend, vorsichtig, womöglich sogar distanziert, auf alle Fälle individualistisch ...
Blödsinn. Die Frage zielt natürlich auf etwas anderes ab. Krimiautoren schildern Gewalt, und das ist manchem Leser zu viel. GEWALT! So was! Ein häufig geäußertes Argument lautet, im wirklichen Leben gäbe es schon so viel Schreckliches, da könne man es nicht aushalten, auch noch in Büchern davon zu lesen.
Mag ja sein, dass unser reales Leben brutal ist. Die Nachrichten machen auch nur bedingt Spaß, weil sie uns die unterschiedlichsten Grausamkeiten um die Ohren hauen. In der Literatur allerdings ist es eine bewährte Technik, die Zustände der Gesellschaft über das Verbrechen zu schildern. Daher schreiben wir über Gewalt nicht unbedingt und ausschließlich mit der Absicht, unsere Leser zu schockieren und ihnen schlechte Träume zu machen. Das Gewaltverbrechen führt vielmehr in die Abgründe des Menschseins, weil es immer eine Frage nach dem Warum gibt. Krimiautoren konstruieren einen Plot, in dem die böse Tat in einen Zusammenhang gestellt wird, der mit dem Menschen, seiner Geschichte und seinem Umfeld zu tun hat. Was das Verbrechen nicht rechtfertigt, nicht schönt, nicht läutert; nur erklärt.
Im Übrigen ist die Wirklichkeit viel grausamer, als es eine Geschichte je sein kann. Denken Sie nur an den Familienzwist zu Weihnachten ...

Keine Kommentare: