Mittwoch, 20. Januar 2010

Landshut

Genau, "Bisduvergisst", Kea Laverdes vierter Fall, spielt in Landshut. Zur Landshuter Hochzeit. Die nur alle vier Jahre stattfindet. Ich musste die Chance nutzen. Habe Landshut abgegrast. Bin - zur Hochzeit eben - in eine andere Zeit gefallen. Ins 15. Jahrhundert, um genau zu sein. Aber dennoch ist der Krimi kein historischer Krimi. Warum dann der Zeitsprung?

Weil Menschen manchmal die Sehnsucht verspüren, sich auszuklinken, alles hinter sich zu lassen. Das kann räumlich geschehen - aber auch zeitlich. In Landshut gelingt das. Wenn die Kostümierten durch die Straßen ziehen, die Musikanten, Gaukler, Moriskentänzer, dann erlebt man als Besucher einen Zeitsprung. Raus aus dem Heute und rein ins Damals, in die Vergangenheit. Vergangenheit aber hat immer mit Erinnerung und Vergessen zu tun - und darum geht es in "Bisduvergisst". Kea schreibt die Autobiografie einer alten Dame. Irma, 82, hat die Diagnose Alzheimerdemenz bekommen. Für ihre Enkelin Julika möchte sie ihre Erinnerungen bewahren, und so beauftragt sie Kea als Ghost. Aber Kea bemerkt bald, dass Irma nur ein einziges Ereignis aus ihrem Leben abarbeiten will. Ein Schuldgefühl, eine diffuse Angst. Gemeinsam mit dem Journalisten Magnus Kreuzkamp philosophiert Kea über das Erinnern und das Vergessen: Warum können wir nicht einfach beschließen, etwas zu vergessen? Weshalb entgleiten uns bestimmte Erinnerungen, während andere wie Pech an uns kleben? Hat Erinnerung nur mit Gedächtnis zu tun? Ist es nicht auch eine soziale Verantwortung, ein gemeinsames Tun?

Womöglich tut die Landshuter Hochzeit (bei allem anderen, was sie ausmacht) genau das: Sie eröffnet eine kollektive Erinnerung an eine Zeit, die keiner von uns erlebt hat, die wir uns aber vorstellen - und uns in ihr.

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