Donnerstag, 4. Februar 2010

Keas Unwörter: #Experte#

Geistern kann man alles Mögliche vorwerfen. Aber mit den Wörtern gehen wir gnädig um. Wir überlegen, ehe wir sie verwenden, und wenn wir sie doch nicht mögen, tauschen wir sie aus. Es gibt nämlich genug davon. (Meine Autorin gibt gerade durch, ein gebildeter Deutschsprachiger beherrsche etwa 100.000 Wörter - aha!) Daher kriege ich ziemlich die Milben, wenn mir Wörter um die Ohren geschleudert werden, die nichts tun, als die Wirklichkeit zu verdunkeln (denn ich habe gelernt, dass ein Text vor allem eines sein muss: klar und verständlich), solche Verdunklungswörter nennen die Kundigen dann "Euphemismen". Wie auch immer sie heißen, sie sind grässlich, und "Experte" ist so eines. Gestern hörte ich mal aufmerksam Nachrichten, um den Wetterbericht nicht immer zu verpassen. Da kam in absolut jeder Nachricht ein Experte vor. Krisen-Experte, Experte für Fels-auf-Haus-Sturz, Euro-Experte, Schnee-Experte. Ich frage mich - wo kommen die eigentlich alle so schnell her? Melden die sich beim TV und sagen: Hallo, ich bin der xy-Experte? Witzig wirds, wenn die Experten sich widersprechen oder einen Tag später ihre Prognosen sich als falsch erweisen: So geschehen auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise. Verschiedene Expertengruppen (o weh, die treten in Rudeln auf) sagten unterschiedliche Desaster voraus, aber keiner wunderte sich am nächsten Tag, wenn's nicht stimmte. Sind Experten so eine Art Nachrichten-Füllsel? Pausenclowns, damit die Sendung voll wird? Eine Chance, das Medium "Interview" in einem Artikel unterzubringen - möglichst als Einklinker oder als Info-Kasten?
Also, ich habe mir noch kein Etikett auf die Stirn geklebt, aber ich mach das jetzt:
Kea Laverde,
Geist,
Expertin für alles, was spukt.

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