Donnerstag, 26. November 2009

Über Unterholz

Woran es bloß liegt: Hat uns die Schule wirklich so versaut? Versaut uns die Universität noch weiter? Die Kritiksucht, das Ellenbogendenken, der Zynismus, das Konkurrenzgerangel?
In nahezu jedem Schreibseminar kriegen Teilnehmer die Krise, weil das, was sie in den Laptop tippen oder aufs Papier kritzeln, nicht augenblicklich ihren Ansprüchen an sich selbst genügt.
Sie meinen, sich unverzüglich, nach einem einzigen Seminarwochenende, in die Wipfel des literarischen Waldes aufschwingen zu müssen. Von Dickicht, Gestrüpp oder Waldboden will niemand etwas gehört haben. Dabei gedeiht alles Leben erst im Unterholz. Dort nähren sich die Tiere des Waldbodens, und da passieren die interessanten Dinge. Im Halbdunkel blubbert das Labor der Evolution, ohne Kontrolle durch nörgelige Altvordere, ohne Kritiker, Rezensionen und Google-Recherche, und dort ist Zeit und Gelegenheit zum Experimentieren, Ermutigen und Spielen. Egal, was dabei rauskommt. Dem Papier tuts nicht weh, dem doc-Dokument sowieso nicht, und ehrlich - ich liebe das Unterholz! Auch ich verkrieche mich ab und zu zwischen Kletten und Pfifferlingen, um etwas Neues auszuprobieren, zu testen, wie ich schreiben könnte, wenn ...

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