Sonntag, 29. November 2009

Über Kleinigkeiten

Ich habe ja schon als Schülerin meinen Deutschlehrern nicht geglaubt, dass Autoren sich über jede Kleinigkeit Gedanken machen ... Tatsächlich passieren eine Menge Dinge beim Schreiben. Vielleicht nennt man solche plötzlichen Kehrtwenden im Plot "Geistesblitze", keine Ahnung. Oft treten auch Figuren aus den Kulissen, die man gar nicht geplant hatte, die sich aber vehement aufdrängen. (Ist mir so gegangen mit Juliane Lompart, Kea Laverdes Freundin in der Ghostwriter-Serie.) Bei der Planung eines Krimis gehe ich durchaus akribisch vor, suche mir meine richtigen und falschen Spuren zusammen, lege sie aus, denke nach, wie ich den Leser (ja, Sie!) in die Irre führen könnte. Auch meine Figuren haben ein Vorleben. Aber in ihrer Vergangenheit lasse ich doch immer ein paar Lücken - weiße Flecken, die sich nachher beim Schreiben von selbst füllen, aus dem Augenblick, aus der Szene heraus, in der etwas Ungeplantes geschieht. Mit einem Mal darf eine Figur ein seltsames Hobby haben, ohne dass ich das vorher festgelegt hatte, oder eine andere schiebt unbewältigten Ärger mit der Schwiegermutter vor sich her, was mir bisher nicht aufgefallen ist. Auch die Autorin lernt ihre Charaktere im Laufe des gemeinsamen Lebens immer besser kennen - wie in der Wirklichkeit. Du bist Jahre mit jemandem befreundet, bevor du über die Abgründe in seinem Leben informiert wirst. Und dann outen sich die Leute ebenso ungeplant. Weil es sich eben gerade richtig anfühlt ...

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