Sonntag, 2. Mai 2010

Über Geld

Ich glaube, es gibt keinen Berufstand, bei dem die Leute so selbstverständlich annehmen, man würde ohne Bezahlung arbeiten, wie bei uns Autoren. Lesung? Was? Das kostet was? Sie wollen doch Ihre Bücher bewerben?
Klar, der Bäcker will auch seine Brötchen bewerben, deswegen gibt er sie kostenlos ab, und der Friseur macht es aus Vergnügen, das Haareschneiden, deswegen tut er es gratis.
Mag ja sein, dass ein Blog genau der richtige Ort ist, um für die eigenen Bedürfnisse zu werben und sie auch zu erklären. Denn natürlich verlangen wir Autoren ein Honorar, weil wir - schlicht und ergreifend - davon leben. Eine Lesung zu gestalten, ist Zeitaufwand und Arbeit, man bereitet sich vor, sucht passende Textstellen aus, übt (ja, ich übe vorher, und das gehört sich auch so, ich nehme mein Publikum nämlich ernst), übt nochmal, misst die Zeit mit der Stoppuhr. Man fährt zum Ort des Geschehens, der ist vielleicht etwas weiter weg, man liest, diskutiert, signiert, fährt wieder heim. Man stellt sich auf das Auditorium ein. Lesungen erfordern Präsenz und innere Stärke, nicht nur körperliche Anwesenheit. Vor Publikum etwas zu tun, etwas von sich selbst herzugeben, zehrt, erfordert Energie - wenn man seine Texte nicht einfach so runterlesen will, und wenn es einem nicht egal ist, wie die Texte ankommen.
Ja, mir machen Lesungen Spaß, aber sie sind Arbeit. Den meisten Schriftstellern, so nehme ich einmal an, macht ihre Arbeit Spaß, wie hoffentlich auch Bäckern und Friseuren, doch das Produkt kostet etwas.
Und noch etwas: Wie alle Freien in den selbständigen Berufen laufen auch wir Autoren unserem Geld ständig nach. Deswegen sind jene Kunden die beliebtesten, die das Zahlungsziel einhalten ...

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