Dienstag, 17. November 2009

Schreiben oder Joggen

Man kann danach süchtig werden. Nach dem Schreiben wie nach dem Joggen. Man merkt es an den Entzugserscheinungen: Hast du einen Tag nicht geschrieben, wirst du unruhig, gereizt und unleidlich. (Bei mir ist es übrigens mit dem Lesen genauso: Wenn ich einige Tage nichts zum Lesen habe, was mir gerade gefällt, werde ich ganz nervös.)
Manche Leute meinen, Autoren warteten auf die Inspiration, die sie vorzugsweise in nebligen Nächten überkomme, sofern ausreichende Mengen berauschender Getränke bereitstünden. Aber so arbeiten Professionelle nicht. Inspiration ist nämlich ein Nachtwanderer, auf den man nicht warten kann, wenn es darum geht, einen Text fertigzuschreiben, um damit Geld zu verdienen. Vielmehr ist es die Routine, die eine anfängliche (durch die Inspiration vergoldete) Idee zu einem Buch macht. Hinsetzen und schreiben. So einfach ist das. Und wie beim Joggen muss man sich erstmal überwinden - sich einen Stoß geben. Passionierte Läufer bauen ihre Schuhe so vor ihrem Bett auf, dass sie morgens quasi hineinfallen. Ich selbst stürze morgens über mein Notizbuch und beginne meinen Tag mit drei Seiten - egal, was sie enthalten, aber drei Seiten werden erstmal vollgeschrieben. Altmodisch, mit Kuli. Fehlt meiner rechten Hand diese Bewegung, dann stimmt etwas nicht. Genau, Gereiztheit, Nervosität. Die typischen Entzugserscheinungen. Was am Schreiben allerdings angenehmer ist als beim Joggen: Man kann die erste Tasse Kaffee des Tages schon beim Schreiben trinken.

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