Donnerstag, 19. November 2009

Fränkisch oder Deutsch?

Manchmal werde ich gefragt, ob ich eine fränkische Autorin sei. Hm. Ehrlich gesagt - keine Ahnung! O.k., ich lebe in Franken, aber - was wäre eigentlich eine fränkische Autorin? Definitiv schreibe ich nicht auf Fränkisch (obwohl mir mal ein Gerücht zu Ohren kam, ich sei Mundartdichterin - nein, bin ich nicht).
Schriftsteller definieren sich über ihre Sprache. Die Sprache ist das Arbeitswerkzeug, das Stimmungsthermometer, das Sicherste und Klarste und Verlässlichste, was wir Angehörige der schreibenden Zunft in Händen halten. Geschichten kommen und gehen, Figuren lugen hinter den Kulissen hervor, Leser zeigen und verbergen sich - doch die Sprache bleibt. Sie ist immer da. Sie ist Heimat, sie dient jedem Stil, jeder Machart, jedem Genre, in ihr lebt der Rhythmus einer Erzählung, schält sich der Plot eines Buches heraus, tanzen die Reime eines Gedichtes, kurz, sie ist das Materielle, mit dem unsere Gedanken sich in die Welt tasten - und sie ist ab und zu schon der Gedanke selbst, nicht nur ein Material wie Marmor oder Ton. Denn der Sprache haftet Geschichte an, geteiltes Erleben, Kultur, Verantwortung. Sie wandelt sich stets, wir verändern sie, ohne Absicht, ohne Plan.
Also, ich würde sagen, ich bin eine deutschsprachige Autorin. Was auch immer das jetzt wieder heißt ...

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